Palästinensischer Wunschimperialismus

„Hamas releases new political document that accepts the creation of a Palestinian state along the 1967 lines, without recognising the statehood of Israel, and states that the conflict in Palestine is not a religious one.“ Al Jazeera

Und Israel so: Klar, warum nicht. Treibt uns doch gleich ins Meer.

Carl Schmitt, Star Wars, Partisanen

Schon beachtlich, wozu einige Leute Carl Schmitt lesen.

Werbepause

Free Tibet? Kritische Betrachtung eines deutschen Konsenses

Vortrag und Diskussion mit Alexander Will

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stuttgart (Basis, Hauptstätter Str. 41)

Wenn sich nahezu die gesamte Bundesrepublik in einem einig ist, dann in der Sympathie für die Sache des tibetischen Kampfes um staatliche Autonomie. Kaum jemand ist nicht der Meinung, dass mit der Forderung „free Tibet!“ das Gute, Wahre und Schöne unterstützt wird. Hier sind sich sogar sowohl (Neo)Nazis als auch der Teil der radikalen Linken, der nach dem Ausbleiben der proletarischen Weltrevolution verzweifelt ein neues revolutionäres Subjekt sucht, einig.
Diese Eintracht über alle politischen oder wie auch immer gearteten Lager hinweg hatt vor allem zwei Gründe:
Zum einen gibt es kaum kritische Stimmen zu Tibet, die ein größeres Publikum erreichen. Die wenigen – wie der in diesem Kontext ausdrücklich empfohlene Colin Goldner –, die sich kritisch zur tibetischen „Befreiungsbewegung“ äußern, werden bestenfalls als „unwissenschaftlich“ geschmäht und gelten schlimmstenfalls als bezahlte Agenten des chinesischen Regimes.
Zum anderen gelingt es der Gallionsfigur jener Bewegung, dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, sich selbst und seine Religion permanent und äußerst erfolgreich als radikal friedlich, gewaltlos und reich an mystischer Weisheit darzustellen. Und bekanntlich sind radikaler Pazifismus bis in den eigenen Tod – zumindest bei anderen – und Esoterik Dinge, die die Deutschen seit jeher faszinieren und bei ihnen als besonders schützenswert gelten.
Ziel der Veranstaltung soll es daher sein, die tibetische „Freiheitsbewegung“ radikal zu kritisieren und dabei insbesondere dem Bild des vermeintlich friedlichen und menschenfreundlichen tibetischen Buddhismus eine Aufklärung über die tatsächlichen Inhalte jener Religion entgegenzusetzen.

Alexander Will, Hamburg, ist Historiker und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Geschichte des Antisemitismus und mit Genozid- und Gewaltgeschichte.

Eine Veranstaltung von Contain’t, Emanzipation und Frieden, for your interest – fyi und Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg

Ps.: Zum Nachhören

Aus den Pantinen kippen

Nachdem die CDU in den Wahlen, sowohl in Mecklenburg Vorpommern, als auch in Berlin (wo sie voraussichtlich nicht mehr an den Regierung beteiligt sein wird), größere Einbußen bei den Wählerstimmen erlitt, äußerte sich Angela Merkel erneut zur – drücken wir es deutsch aus – „Flüchtlingskatastrophe“:

„Wenn ich könnte, würde ich die Zeit um viele, viele Jahre zurückspulen, um mich mit der ganzen Bundesregierung und allen Verantwortungsträgern besser vorbereiten zu können auf die Situation, die uns im Spätsommer 2015 eher unvorbereitet traf.“

Unvorbereitet? Wieso eigentlich? Wusste man nichts von Syrien? Den Auswirkungen des“arabischen Frühlings“1? Vom IS? Boko Haram? (usw. usf.) Salopp ausgedrückt: Die halbe Welt ist im Arsch und in Europa geht man davon aus, dass die „suspendierte Gattung“ (Danyal) sich einfach seinen vermeintlichen Schicksal fügt?

Was ist also der Grund, dass die Bundeskanzlerin meint, Sommer 2015 habe sie und ihre Regierung getroffen, wie vom Donner gerührt? Diese Frage erinnerte mich an einen Aufsatz, den ich in der Zeitschrift „polemos“ gelesen hatte, in dem es wie folgt heißt:

„Derart überrascht von absehbaren Ereignissen zu werden, war nur erklärbar durch eine seltsame Mischung aus zynischem Provinzialismus – die damals schon Millionen von syrischen Flüchtlingen in der Türkei und im Libanon gingen einen nichts an, wären schließlich weit weg und ein paar Tausend nähme man ja auch symbolisch auf – einer absurden Fetischisierung der Grenzen – Flüchtende würden sich schon an das Dubliner Abkommen halten und sich von den Schildchen aufhalten lassen, die innerhalb des Schengenraums die Nationalgrenzen anzeigen – und der Herrenmenschenideologie, wer alles aufgegeben habe, würde schon so dankbar sein, dass er brav die immer unerträglicheren Zustände in den Flüchtlingslagern an der europäischen Außengrenze über sich ergehen lasse, anstatt unregistriert weiter zu reisen, wie es jeder, der halbwegs bei Verstand ist, täte. Das macht die Debatte über Flüchtlinge so absurd: Weder weil Deutschland die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen hätte, noch wegen einer Merkel’schen „Politik der offenen Grenzen“ – so als ob bei Passau eine Zugbrücke stünde, die auf Befehl runtergelassen oder hochgezogen werden kann.“

  1. Von Stephan Grigat gerne auch der „islamische Winter“ genannt [zurück]

Fuck Bautzen

Ich fasse zusammen: lebe ich in Bautzen als Ausländer, muss ich mich seit Monaten von wackeren Einheimischen beschimpfen lassen. Wehre ich mich, weil es mir reicht und mir die Polizei nicht zur Hilfe kommt, bin ich schuld und darf am nächsten Abend nicht mehr auf die Straße. Werde also meiner Bewegungsfreiheit beraubt. Die, die mich seit Monaten belästigen und bedrohen, dürfen sich weiterhin frei bewegen. Die neue rechte Welt in Deutschland.

Kommentar unter einem Video der „tagesschau“

remembering means fighting

Willkommen in Deutschland

Clausnitz scheint einer der Orte zu sein, an denen Dummheit adelt; je vertrottelter der Brüllaffe, desto gewichtiger die Stimme in der Gemeinde. Besonders ausgeprägte, prächtige Exemplare dieser Gattung konnten am 18. Februar bis zu 100 Landeier – von insgesamt circa 870 Dörflern – dazu begeistern, in einem Bus ankommende Asylsuchende, die auf dem Weg zur örtlichen Sammelunterkunft waren, zu bedrängen. Doch anstatt diesen Affenzirkus zum Teufel zu jagen, ließ die anwesende Staatsgewalt den Mob gewähren und machte sich daran, mit möglichst brutaler Gewalt die eingeschüchterten Flüchtlinge in einen Spießrutenlauf durch die keifende Menge in die Asylunterkunft zu zwingen.
Ach, wie gut muss der Clausnitzer Ottonormalvergaser im Wartezustand an jenem Abend geschlafen haben! Was kann autoritäre Charaktere mehr erfreuen als unter den Schwächsten der Schwachen Angst und Terror zu säen und dabei tatkräftig von Vertretern des Gewaltmonopols unterstützt zu werden? Welch schönere Erinnerung mag solchen Unhold, der sich dazu entblödet, Menschen, die vor unvorstellbaren Grauen (Krieg, Hunger, Verfolgung) geflohen sind, solchen Unsinn wie »Wir sind das Volk« und »Go Home« entgegenzurufen, betten?
Dass es zu göttlich war, um wahr zu sein,hat sich auch einer der Anwesenden Herbert Müllers oder Cindy Meiers gedacht, woraufhin er/sie das ganz private Erinnerungshandyvideo von diesem patriotischen Happening auf der internationalen Videoplattform »Youtube« hochlädt. Danach wird sich vor Pogromfreude eingepisst.
Zum Leidwesen der Einsatzkräfte wird deren kleine Gewaltorgie ebenfalls auf einem zweiten Clip festgehalten. Sowas sieht hässlich aus. Da rümpft das Postbildungsbürgerchen, der nur noch ein Schatten seiner Großväter ist, die Nase und schimpft: »Das ist nicht mein Deutschland«. Wohl wahr! Sein Deutschland lässt die Menschen weit, weit weg, da wo es seine zarten Augen nicht sehen, sein empfindsames Gemüt nicht bedrängt, z.B. im Mittelmeer verrecken. Angesichts der deutlichen Bilder von sogenannter »unverhältnismäßiger Gewalt« sowie der Frage, wieso die Polizei die illegale Zusammenrottung nicht auflöste, kommen die Bullen in Erklärungsnot, müssen sich rechtfertigen. Eine Sache, in der sie nicht bewandert sind, weil nicht gewohnt, da man in Deutschland dem Polizeibericht mehr glaubt als der Papst an die Trinität Gottes. Fadenscheinig behaupten dann die regionalen Staatsbüttel, die Flüchtlinge hätten die armen Deutschen provoziert, sogar der nackte Finger soll gezeigt worden sein. Deshalb war »konsequentes Handeln« gefragt. Klassische Täter-Opfer Umkehr. Willkommen in Deutschland.

Paar Worte.

Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.

Wahlprogramm 2016 der AfD-LSA, S. 20.

Der logische Umkehrschluss: Es sollen keine Theater- oder Orchesterstücke mehr aufgeführt und inszeniert werden, die die erdrückende Nestwärme (Heimat!) des (angeblich so natürlichen) nationalen Zwangskollektivs „zersetzen“. Ansonsten verstoße man gegen seine gesellschaftliche Bestimmung, seiner Pflicht. Doch wer vor den schönen Künsten nicht halt macht, der macht es auch nicht vor der Geschichte. Museen, eigentlich konkrete, verschlüsselte Enzyklopädien, kann sich der verbiesterte Bürger nur noch als zu ideologisierendes Material im Dienste der Herrschaft denken. Geschichte soll nicht mehr erforscht werden: Nein, die Untersuchung, ein Prozess mit ungewissen Ausgang, soll gebrochen werden und bleiben soll nur noch die gelenkte Interpretation des Vergangenen unterm Joch(!) des Nationalismuses. Man muss die Historie verbiegen, um aus ihr Kapital für die „Heimat“ zu schlagen, denn aus sich heraus tut sie sowas nicht automatisch. Was bleibt ist Geschichtslosigkeit und die Abtötung des freien und daher kritischen Geistes der Kunst.

Statistik und Metal


Ideologie und Praxis der Khmer Rouge 5/5

Zusammenfassung

(Hier könnt ihr den ersten , zweiten , dritten und vierten Teil nachlesen)

An dieser Stelle soll nun versucht werden, das bisher Geschriebene zu rekapitulieren und gleichzeitig Schlussfolgerungen zur Beantwortung der oben gestellten Frage abzuleiten.

Zu Beginn konnten wir einen Einblick in die Begriffe des Marxismus-Leninismus und des Maoismus bekommen. Dabei wurde deutlich, wie sich die ursprünglich von Marx erstellten Theoreme immer mehr verändert haben, allerdings immer unter dem eigenen Anspruch, in der Tradition der Vordenker zu stehen und eben deren theoretische Annahmen nur weiter zu entwickeln. Des Weiteren wurde hier eine theoretische Grundlage geliefert, die es ermöglicht, die Ideologie und Praxis von Gruppen auf ihre Verbindungen hin zum klassischen Marxismus-Leninismus und zum Maoismus zu untersuchen.
Im Folgenden wurde dann ein Einblick in den spezifischen Charakter der kommunistischen Bewegung in Kambodscha gegeben. Hierbei konnte man zum einen sehen, dass kommunistische Gedanken sich hier, anders als von Marx, aber auch vom Marxismus-Leninismus vorgesehen, in erster Linie unter den Bauern verbreiteten. Gleichzeitig wurde der Konflikt zwischen der eher sowjetisch beeinflussten, mit Vietnam verbundenen Linie und der eher maoistisch beeinflussten Linie Pol Pots und seiner Anhänger deutlich, bei dem Letztere schließlich siegreich waren.
Im darauf folgenden Kapitel konnte dann die ideologische Selbstdarstellung der Khmer Rouge betrachtet werden. Daraus konnte man, zumindest was die ausgewählten Quellen betraf, einen durchaus marxistisch-leninistischen Anspruch der Kader der roten Khmer sehen, wenngleich vielfach verbunden mit maoistischen Elementen und theoretischer Verflachung. Andererseits wurden aber insbesondere in Pol Pots Rede, die bereits aus späterer Zeit des „demokratischen Kampuchea“ stammte, verschiedene Anklänge deutlich, die sich nicht mehr in das Theoriegebäude des klassischen Marxismus-Leninismus oder des Maoismus eingliedern lassen, sondern die weitaus nationalistischer und nach Errichtung eines autarken bürgerlichen Staates klangen, als es diese Theorien mit sich vereinbaren ließen.
Anschließend wurde im Kapitel über die Praxis der Khmer Rouge dann drei Dinge deutlich. Erstens konnte die Zivilisationsfeindlichkeit der roten Khmer bereits im „Urbizid“ an Phnom Penh und den anderen Städten erkannt werden, aber auch an der Zwangserrichtung einer primitivistischen, auf Kollektivbesitz beruhenden Agrargesellschaft ohne Geld, Privatleben und ohne angemessene Gerätschaften und Expertise. Zweitens wurde andererseits das Motiv deutlich, diese Agrargesellschaft nicht für die Ewigkeit auf dieser Grundlage weiterzuführen, da immerhin erste Ansätze zur Errichtung einer weiterführenden Industriegesellschaft durchgeführt wurden. Drittens konnten wir die absolut menschenverachtende Politik der Khmer Rouge in der gezielten massenhaften Ermordung und Folter von vermeintlichen oder tatsächlichen Staatsfeinden sowie in der rassistischen und chauvinistischen Politik gegenüber Minderheiten erkennen, die so weit ging, dass man hier durchaus von einem Genozid sprechen kann.
Schließlich konnten wir im letzten Kapitel des analytischen Teils noch einen Einblick in die Forschungsdiskussion zu Ideologie und Praxis der roten Khmer erhalten, in dem vor allem die immer noch unaufgelöste Kontroverse in diesem Thema sichtbar wurde. Zugleich konnte man aber erkennen, dass zumindest bei den hier ausgewählten Forschern der Streitpunkt insbesondere in der Rolle der Bauernschaft und der hiermit verbundenen Errichtung eines Agrarstaats lag. Hieraus leitet sich dann für die Autoren die Beantwortung der Frage ab, ob die Praxis der roten Khmer mit einer kommunistischen Ideologie vereinbar ist, was je nach Autor unterschiedlich beantwortet wird.
Alles in allem lassen sich daher folgende Schlussfolgerungen als Erkenntnis aus dieser Arbeit ableiten, die die anfangs gestellte Frage zumindest partiell beantworten:
Zunächst einmal scheint es bei den Khmer Rouge definitiv eine Zeit lang, aber sicherlich auch in der kompletten Zeit bis zum Ende ihrer Herrschaft, einen ernsthaften Willen zur Errichtung einer zumindest grob als sozialistisch angelegten Gesellschaft gegeben zu haben. Hinzu kommt, dass ihre Ideologie offenbar in erheblichem Maße von marxistisch-leninistischen, aber noch mehr von maoistischen Gedanken inspiriert worden zu sein scheint, wenngleich es auch hier schon, wie wir gesehen haben, einige nicht zu vernachlässigende Abweichungen gab. Gleichzeitig muss aber betont werden, dass gerade die Praxis sich ganz erheblich von kommunistischer Ideologie unterscheidet. Gerade der klassische Marxismus-Leninismus, für den die Klasse der Industriearbeiter durchaus sehr vordergründig ist, dürfte mit der tatsächlichen Praxis kaum vereinbar sein, da, wie wir gesehen haben, die Khmer Rouge vor allem die Bauernschaft als Basis ihrer Revolution ansahen und auch nur wenige, wenngleich vorhandene, Schritte in Richtung einer Industrialisierung unternommen haben.
Ebenso widerspricht die extrem nationalistische, genozidäre und rassistische Politik absolut jeglichem mit kommunistischer Ideologie zusammenhängendem proletarischen Internationalismus, der dem eigenen Anspruch nach keinen Rassenhass kennt.
Was bleibt, sind allerdings auch in der Praxis gewisse Versuche des Aufbaus einer wie auch immer gearteten sozialistischen Gesellschaft, beispielsweise durch die Abschaffung des Geldes, die Schließung der Märkte und die Kollektivierung der Landwirtschaft und Betriebe.
Ebenso finden sich auch in der Praxis starke Anlehnungen an den Maoismus, der sich auch durchaus auf die Bauernschaft als revolutionäre Klasse stützt und der ebenso wie die Khmer Rouge eine Ideologie der alternativlosen Vernichtung von Feinden in der „Lehre von den Widersprüchen im Volke“ vertritt. Um all dem ausführlicher nachzugehen, müsste allerdings auch die Praxis der Khmer Rouge mit der in anderen sozialistischen Staaten, insbesondere in Maos China verglichen werden, was in diesem Rahmen nicht mehr möglich war.
Ebenfalls nicht untersucht werden konnte die Praxis bezüglich des antiimperialistischen Anspruchs, da die Außenpolitik hier ausgespart wurde und daher Kenntnisse über den Umgang mit anderen, vor allem „imperialistischen“ Ländern fehlt. Das einzige, was wir in diesem Rahmen dahingehend anführen können, ist die Überlegung eines Angriffs auf Vietnam, was tatsächlich selbst nach imperialistischen Ambitionen klingt.
Abschließend lässt sich daher meines Erachtens nach sagen, dass es durchaus einen Widerspruch zwischen der zumindest nach außen vertretenen Ideologie der Khmer Rouge und ihrer Praxis gab. Dennoch waren diese widersprechenden Elemente der Praxis zum Teil auch schon in der Ideologie vorhanden, weswegen Micheal Vickery Recht behalten haben könnte mit der These, dass sich vor allem diese Ideologiefragmente durchgesetzt haben.

Der erste Bürger.

Shoah-Profiteur Rostock

- ostzonaler Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit am Beispiel der „Ernst Heinkel Flugzeugwerke“

Dieser Artikel ist zuerst in der zweiten Broschüre der 70 years Kampagne veröffentlicht worden.

1 Geschichte der Heinkel-Werke

1922 errichtete der deutsche Ingenieur Ernst Heinrich Heinkel in Rostock-Warnemünde einen Industriekomplex zur Herstellung von Flugzeugen. Schon damals strebte Heinkel vordergründig die Herstellung von Militärflugzeugen an, konnte dies aber aufgrund der Einschränkungen, die deutschen Industriellen durch den Versailler Vertrag auferlegt worden waren, nicht innerhalb deutscher Grenzen tun. So verkaufte Heinkel zu jener Zeit in erster Linie Lizenzen an ausländische Flugzeugbauer, insbesondere an schwedische und japanische, während in Rostock-Warnemünde lediglich zivile Wasserflugzeuge hergestellt wurden.
Mit der „Brechung des Versailler Diktats“ durch die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 waren diese Einschränkungen zu Heinkels Freude – er selbst war 1933 mit wehenden Fahnen der NSDAP beigetreten – beendet und es konnte sich fortan der Herstellung von Kriegsgerät für die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie gewidmet werden. Insbesondere die Herstellung schwerer Bomber stand im Vordergrund, ebenso aber auch die Konstruktion düsengesteuerter Militärflugzeuge, die im Kontext des Wettrüstens zwischen den Kriegsparteien den Nationalsozialisten einen entscheidenden Vorteil verschaffen sollten.
Diese Verwicklung der Heinkel-Werke in die nationalsozialistische Aufrüstung brachte der Stadt Rostock und allgemein der Region Mecklenburg einen ungeheuren Aufschwung und ein ungeahntes Wachstum. Rostock wurde zum Bezugspunkt für großflächige Arbeitsmigration, wodurch es zur Großstadt wurde. Etliche gut ausgebildete technische Experten kamen in die Stadt und ein gerade für mecklenburgische Verhältnisse recht beachtlicher Wohlstand machte sich breit, insbesondere für die („arischen“) Mitarbeiter Heinkels, denen ein überdurchschnittlicher Lohn gezahlt wurde. Weiterhin konnten die „Ernst Heinkel Flugzeugwerke“ weitere Industriekomplexe in Rostock (in erster Linie in Rostock-Marienehe, aber auch am Rostocker Stadthafen) sowie einen Außenstandort in Oranienburg errichten.
Von der überaus wichtigen Tatsache abgesehen, dass hier eindeutig von der nationalsozialistischen Aufrüstung profitiert wurde, deren vordergründiges Ziel die Auslöschung allen jüdischen Lebens war, konnte jener Aufschwung nun allerdings nur stattfinden, weil massenhaft Zwangsarbeiter aus NS-Konzentrations- und Vernichtungslagern eingesetzt wurden. In der Außenstelle in Oranienburg wurden fast ausschließlich Zwangsarbeiter eingesetzt, der Standort war in der Hinsicht ein reines „KZ-Werk“ mit ca. 8000 Arbeitern. Aber auch in Rostock, wo etwa 17.000 Menschen für Heinkel arbeiteten, war die Mehrheit der Angestellten Zwangsarbeiter.

2 Heinkel als Rostocker Held

Nach dem Sieg der Alliierten über Nazideutschland wurde ein Großteil der Heinkel-Werke demontiert, nur ein kleiner Teil der Hallen blieb weiterhin intakt und wurde als Werfthallen weiter genutzt.
Ernst Heinkel selbst beteuerte fortan, dem Nationalsozialismus immer feindlich gegenübergestanden und lediglich aus erfinderischem Interesse mit den Nazis zusammengearbeitet zu haben. In dieser Hinsicht hat er beispielsweise gegenüber der Entnazifizierungsbehörde Folgendes zu Papier gegeben:
„Ich bin ja als Antifaschist (!) bekannt […] Seit 1933 bin ich Parteigenosse, aber nie Nazi gewesen, ich hatte dauernd Krach mit den Gauleitern, Kreisleitern usw.“1

Mit dieser und ähnlichen Beteuerungen gelang es ihm dann tatsächlich, erst als „Mitläufer“ und schließlich sogar als „Entlaster“ eingestuft zu werden und somit einer Bestrafung zu entgehen. Auf der anderen Seite wurde er aber durch die DDR-Enteignungspolitik seiner Industriekomplexe entledigt und sollte seine alten Werkshallen auch nie mehr zurück erhalten, konnte jedoch in Stuttgart seine Tätigkeit als Flugzeugbauer fortsetzen.

Während in der durch die Dimitroff-These geprägten DDR nun tatsächlich (fast) gar keine Auseinandersetzung mit dem Thema der Zwangsarbeit und der Verwicklung der Heinkel-Werke in den Nationalsozialismus erfolgte, kam es nach der Wende zu ersten Kontroversen um die Person Ernst Heinkel, bzw. um die Heinkel-Werke als maßgeblichen Teil nationalsozialistischer Kriegsführung. Hierbei erfolgten dann sogar zaghafte Versuche einer kritischen Bewertung durch einige Historiker, allerdings wurden diese recht schnell durch einen Chor gegenteiliger Stimmen überboten, die vielfach sinngemäß betonten, Ernst Heinkel sei „irgendwie in den Nationalsozialismus hineingerutscht“, oder gar gezwungen worden, oder aber die Verwicklung der Heinkel-Werke in den Nationalsozialismus wurde in einen relativierenden Kontext gestellt, in dem zwar z.B. durchaus die Zwangsarbeiter erwähnt wurden, aber lediglich als kurzer Nebensatz, während gleichzeitig aber schwärmerisch vom Aufschwung berichtet wurde, der Rostock durch die Werke beschert worden war, von den tollen Erfindungen Ernst Heinkels und der guten Bezahlung unter seiner Aufsicht.
Stellvertretend für diesen Umgang steht ein Debattenbeitrag des Historikers Andreas Wagner, der in einem 2002 vom Rostocker „Beirat für Geschichte“ herausgegebenen Band erschienen ist, in dem es unter anderem lapidar heißt:
„Der Anteil der Facharbeitskräfte war hoch, das Lohnniveau in der Flugzeugindustrie lag weit über dem Durchschnitt, zumal in einem Niedriglohngebiet wie Mecklenburg. Hinzu kam eine umfassende betriebliche Sozialpolitik, die bisherige Risikolagen absicherte und Bestandteil der Personal- und Lohnpolitik des Unternehmens war. Viele Maßnahmen förderten Berufsstolz und Elitebewusstsein unter der Belegschaft der Heinkel-Flugzeugwerke.
Während des Krieges war der Produktionsumfang nur durch den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte aufrecht zu erhalten. Der von Heinkel verfolgte Expansionskurs zwang das Unternehmen in eine Komplizenschaft mit dem NS-Regime, um durch immer neue Entwicklungen und Aufträge die Auslastung der umfangreichen Kapazitäten zu sichern.“2

Stellvertretend für den heute aktuellen Umgang mit dem Thema steht die Gedenktafel, welche vor wenigen Jahren an der seit 1994 denkmalgeschützten erhaltengebliebenen Mauer der Heinkel-Werke aufgestellt wurde, auf welcher bspw. steht:
„Das atemberaubende Wachstum dieses Konzerns zum zweitgrößten deutschen Flugzeughersteller war nicht das Resultat eines ausgeprägten unternehmerischen Talents Ernst Heinkels. Es wurde ausschließlich von der staatlichen Nachfrage gesteuert. Der Konzern Ernst Heinkels war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Kernstück der nationalsozialistischen Rüstung. […] Zu den bedeutenden technischen Entwicklungen zählt das Stahltriebwerk. Mitte 1944 beschäftigte der mittlerweile zur Ernst Heinkel AG fusionierte Konzern in Rostock 15.000 Personen. Insgesamt waren 1944 im Konzern […] 50.000 Personen, darunter tausende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge beschäftigt.“

So löblich nun das hier recht offene Eingestehen des Mitwirkens der Heinkel-Werke am Nationalsozialismus erscheinen mag, lässt einen das Gefühl nicht los, dass hier wieder der aktuell in Deutschland fast konsensuelle Versuch deutlich wird, sich als „geläuterte Nation“ zu inszenieren, die aus ihren „Fehlern“ gelernt habe und die nun stolz der Welt, vorrangig der jüdischen Nation, moralisierend gegenübertreten könne. Darüber hinaus lässt sich aber auch der analcharakterliche Stolz auf die Untaten gerade auf dieser Gedenktafel kaum verbergen, so pathetisch die Aussagen dort teilweise daherkommen. In dieser Hinsicht, aber auch in Bezug auf den oben zitierten Debattenbeitrag mag man davon ausgehen, dass hier im ostzonalen, provinziellen Rostock jene auch nicht unbedingt bessere „geläuterte Nation“ vielleicht noch nicht in allen Ecken und Winkeln umgesetzt ist und der altdeutsche „Opa war okay“-Geist zumindest partiell konserviert ist.

- Alexander Will

Literatur:

Bastian, Till: High Tech unterm Hakenkreuz. Von der Atombombe bis zur Weltraumfahrt. Leipzig 2005.
Erker, Paul: Ernst Heinkel. Die Luftfahrtindustrie im Spannungsfeld von technologischem Wandel und politischen Umbruch. In: Deutsche Unternehmer zwischen Kriegswirtschaft und Wiederaufbau. München 1999.
Koos, Volker: Ernst Heinkel Flugzeugwerke 1922–1932. Königswinter 2006.
Rohde, Norbert: Historische Militärobjekte der Region Oberhavel. Band 1: Das Heinkel-Flugzeugwerk Oranienburg. Leegebruch 2006.
Wagner, Andreas: Der Streit um die Geschichte der Rostocker Heinkelwerke. Online verfügbar: http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_17/Demokratische_Geschichte_Band_17_Essay_10.pdf

  1. Zit. nach: Erker, Paul: Ernst Heinkel. Die Luftfahrtindustrie im Spannungsfeld von technologischem Wandel und politischen Umbruch. In: Deutsche Unternehmer zwischen Kriegswirtschaft und Wiederaufbau. München 1999, S.253. [zurück]
  2. Wagner, Andreas: Der Streit um die Geschichte der Rostocker Heinkelwerke. Online verfügbar: http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_17/Demokratische_Geschichte_Band_17_Essay_10.pdf [zurück]

Nichts am Geschlecht ist also dekonstruierbar!

Ich möchte das Konzept der Dekonstruktion selbst angreifen. Dekonstruktion von Geschlecht, wie sie Butler und ihre queerfeministischen Adeptinnen hochhalten, bedeutet ja, die soziale Konstruiertheit von Geschlechtern zu entlarven und folglich ihre Abschaffung nicht nur zu fordern, sondern gleich zu praktizieren – vornehmlich auf der sprachlichen Ebene. Dann sagt man halt „weiblich sozialisierte Personen“ statt „Frauen“ und alle freuen sich, wie schön sie wieder das Geschlechterverhältnis dekonstruiert haben, nach dem Motto: Stell dir vor, es ist Patriarchat, und keiner spricht es aus! Die Kritik der benachteiligten weiblichen Subjektposition schlägt in bloße Verweigerung um, sich damit zu identifizieren. Dekonstruktion trägt dann im schlimmsten Fall zur Verschleierung des patriarchalen Geschlechterverhältnisses bei. Was dann hinten runter fällt, ist ein Begriff von der historischen Gewordenheit des Geschlechterverhältnisses und vom damit verbundenen ideologischen Zwang, ohne den die vergeschlechtlichten Subjekte nicht zu denken sind. Nichts am Geschlecht ist also dekonstruierbar!

Korinna Linkerhand in der MALMOE.

Ideologie und Praxis der Khmer Rouge 4/5

Forschungsmeinungen zu Ideologie und Praxis der Khmer Rouge

(Hier könnt ihr den ersten , zweiten und dritten Teil nachlesen)


Schon eine ganze Reihe von Autoren haben sich dem Thema gewidmet, aus den offiziellen Verlautbarungen der roten Khmer auf der einen und der Praxis auf der anderen Seite eine beidem inhärente Ideologie abzuleiten, bzw. den eigenen Anspruch in der Ideologie und politischen Praxis miteinander zu vergleichen. Die Ansichten einiger wissenschaftlicher Autoren hierzu sollen hier nun noch vorgestellt werden.

Micheal Vickery geht zunächst einmal davon aus, dass es sich dem Anspruch nach bei den Khmer Rouge ideologisch gesehen um eine kommunistische, genauer marxistisch-leninistische Gruppierung handelte, deren Ziel die Errichtung eines sozialistischen Staats unter Führung der Partei mit dem Endziel des Kommunismus war. Allerdings war diese marxistisch-leninistische Ideologie bereits durchdrungen von Populismus, kleinbürgerlicher Ideologie und Nationalismus. Diese dennoch im Kern der Ideologie der roten Khmer vorhandenen sozialistischen Ziele wurden aber dann seiner Ansicht nach auch noch von der tatsächlichen Dynamik der Revolution in Kambodscha überwältigt, weswegen das Handeln der roten Khmer im Widerspruch zur Ideologie gestanden hätte.1

Vickery geht nämlich davon aus, dass es sich bei der tatsächlichen Revolution um eine Agrarrevolution gehandelt hätte, getragen vor allem von der Bauernschaft, die ihre eigenen Ziele im von den Khmer Rouge geschaffenen Rahmen verwirklicht hätten, was teilweise zu sehr rohen Ausbrüchen agrarischen Klasseninteresses geführt hätte. Vickery schreibt dazu Folgendes:
„It was […] a complete peasant revolution, with the victorious revolutionaries doing what peasant rebels have always wanted to do to their urban enemies. […] The violence of DK […] did not spring forth from the brains of Pol Pot or Khieu Samphan.“2

Und weiter, an anderer Stelle:
„Furthermore, no other „Communist“ vanguard has so quickly and so abjectly given up their ideologic goals – partly, perhaps, out of shock. […] They were petty-bourgeois radicals overcome by peasantist romanticism […].3 Cambodia, however, is a case in which nationalism, populism, and peasantism really won out over communism and with the results we have seen all too clearly.4

Dieser These widerspricht allerdings Kate Frieson in ihrer Dissertation „The Impact of Revolution on Cambodian Peasants“, indem sie schreibt:
„Cambodian peasents were unwitting participants in a revolution whose leaders were faceless, whose goals were hidden, whose tactics were terrifying, and whose strategies seemed to offer little or nothing of benefit to peasants.5 […] Peasant support for the Red Khmers was not given out of commitment to the movement but out of a basic human desire to survive the exigencies created by the war.“6

Ihrer Meinung nach existierte kaum Unterstützung für die Khmer Rouge unter den Bauern, diese hätten sich tatsächlich eher aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und die Politik in nahezu keiner Weise mitgestaltet.7 Deswegen ist es ihrer Meinung nach auch nicht angebracht, von einer Bauern-Revolution zu sprechen, die die Khmer-Rouge auch weder ideologisch noch in ihrer Praxis vertreten hätte.8
Ben Kiernan liegt mit seiner Betrachtung zwischen diesen beiden Polen und kritisiert beide für mangelnde Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Begebenheiten in Kambodscha zu jener Zeit.9 Er vertritt die Meinung, dass es tatsächlich anfangs eine große Unterstützung von Bauern für die Khmer Rouge gab, gleichzeitig sieht er aber den Begriff einer Bauern-Revolution als ungeeignet an, da dies mit der Ideologie der Khmer Rouge nicht zusammengeht.10
Kiernan hat dahingehend auch einen längeren Aufsatz verfasst, in dem er die ideologischen Ursprünge der Khmer Rouge betrachtet und das Handeln der roten Khmer mit Systemen vergleicht, die dem „Demokratischen Kampuchea“ seiner Ansicht nach sehr ähnlich waren, nämlich mit dem antiken Sparta und dem China Mao Zedongs. Insbesondere letzteres war seiner Ansicht nach in einigen Punkten stichwortgebend für die Khmer Rouge, allerdings ebenso sehr wie alter Khmer-Chauvinismus und Rassismus, teils gar aus Vichy-Frankreich übernommen. Zusammenfassend schreibt er deshalb am Ende des Aufsatzes:
The CPK’s Maoism was selectively added to a mixed ideology, neither purely indigenous nor fully imported. It created an amalgam of various intellectual influences, including Khmer elite chauvinism, Third World nationalism, the French Revolution, Stalinism, and selected aspects of Maoism. The motor of the Pol Pot genocide was probably indigenous Khmer racist chauvinism, but it was fuelled by strategies and tactics adopted from often unacknowledged revolutionary models in other countries“11

Für Kiernan war dies nun tatsächlich auch genau das, was die Praxis der Khmer Rouge ausgemacht hat, weswegen er keinen Widerspruch zwischen Ideologie und Praxis erkennt, sondern eher davon ausgeht, dass das, was im „Demokratischen Kampuchea“ umgesetzt wurde, auch tatsächlich schon immer im Kern der Khmer-Rouge-Ideologie vorhanden war.1212

Angelika Königseder schließlich benennt in ihrem Beitrag „Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha“ im Buch „Vorurteil und Genozid“ von Wolfgang Benz ebenfalls die ideologische Nähe der Khmer Rouge zum Maoismus.13 Des Weiteren sieht auch sie die Khmer Rouge als ideologische Sozialisten und Kommunisten an. Allerdings ist ihrer Meinung nach die Praxis der roten Khmer in nicht unerheblichem Maße nicht kommunistisch, zumindest verglichen mit anderen Regimen, die sich dem Endziel des Kommunismus verpflichtet sahen.14 Sie macht das an folgenden Punkten fest:
„Auch betrieben die Roten Khmer keinen Staatsaufbau im kommunistischen Sinne. […] Die völlige Entvölkerung der Städte bei Glorifizierung der Bauern negiert die in anderen kommunistischen Regimes propagierte herausragende Position des Industriearbeiters. Gegen die Charakterisierung als kommunistische Herrschaft spricht auch die extreme Geheimhaltung, mit der sich die Führungsclique umgab und die sich zu einer regelrechten Paranoia vor inneren und äußeren Feinden steigerte.“15

(Weiter zu Teil 5)

  1. Vgl.: Vickery, Michael: Cambodia 1975-1982. Second Edition. Bangkok 1999, S. 306 und S. 309. [zurück]
  2. Ebd., S. 305.# [zurück]
  3. Ebd., S. 306. [zurück]
  4. Ebd., S 309. [zurück]
  5. Frieson, Kate: The Impact of Revolution on Cambodian Peasents, 1970-1975, Diss., Monash University Australia 1991, S. 9. [zurück]
  6. Ebd., S. 16. [zurück]
  7. Vgl.: Ebd., S. 3. [zurück]
  8. Vgl.: Ebd., S. 12 und S. 18. [zurück]
  9. Vgl.: Kiernan, Ben: The Pol Pot Regime. Race, Power and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge 1975-79. Second Edition. New Haven 2002, S. 167f. [zurück]
  10. Vgl.: Ebd. [zurück]
  11. Kiernan, Ben: External and Indigenous Sources of Khmer Rouge Ideology. In: Westad, Arne Odd/Quinn-Judge, Sophie (Hgg.): The Third Indochina War: Conflict between China, Vietnam and Cambodia, 1972-79. London 2006, S. 26. [zurück]
  12. Vgl.: Ebd., S. 26f. [zurück]
  13. Vgl.: Königseder, Angelika: Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha. In: Benz, Wolfgang (Hg.): Vorurteil und Genozid. Ideologische Prämissen des Völkermords. Wien 2010, S. 174. [zurück]
  14. Vgl.: Ebd. [zurück]
  15. Ebd. [zurück]

Cám ơn!

Auch ein Grund sich zu freuen: Die Befreiung Kambodschas von den Roten Khmer durch die Truppen der VR Vietnam am 25.12.1978. Danke – Cám ơn! – dafür.

Abstención!

In aller Kürze unsere Meinung zu den Wahlen in Spanien:

Ideologie und Praxis der Khmer Rouge 3/5

Dritter Teil über die Praxis der Khmer Rouge

(Hier könnt ihr den ersten und zweiten Teil nachlesen)

Die Anfangszeit der Khmer-Rouge-Herrschaft

Das bekannteste und wohl gleichsam wichtigste Ereignis aus der Anfangszeit der Herrschaft der Khmer Rouge ist die Entvölkerung der größten Stadt Kambodschas, Phnom Penh, ab dem 17. April 19751 und die Verteilung der zu jener Zeit zwischen zwei und drei Millionen Menschen zählenden Bevölkerung Phnom Penhs auf die agrarischen Gebiete Kambodschas,2 eine Politik, die in der Forschung teilweise auch als „Urbizid“ bezeichnet wird.3
Laut eigenen Angaben hatte Pol POT die Entscheidung über die, wie er es nannte, „Evakuierung“ der Stadt bereits im Februar des selben Jahres getroffen.4 Wie es für den streng hierarchischen Aufbau der Kommunistischen Partei Kambodschas üblich war, wurde diese Information aber nur einigen wenigen Führern der Partei zugänglich gemacht, der Bevölkerung wurde bis zuletzt nichts von den Plänen Pol POTs mitgeteilt.5 So kam es, dass letztere völlig unvorbereitet auf den Befehl der Entvölkerung reagierten; zuvor hatten die Einwohner der Stadt das traditionelle Neujahrsfest gefeiert.6 Den die Entvölkerung durchführenden Truppen wiederum wurde mitgeteilt, dass es sich lediglich um eine temporäre Evakuierung handele.7 Unter anderem diese bewusst schlecht gehaltene Informationskette und die damit verbundene kurze Vorbereitungszeit führte dazu, dass die vermeintliche Evakuierung absolut chaotisch verlief.8 Jedes Viertel der Stadt wurde von einer anderen Einheit der Khmer-Rouge-Kämpfer, stammend aus jeweils einer anderen Region des Bürgerkriegsgebiets in Kambodscha, entvölkert, die wiederum untereinander nicht abgestimmt waren und jeweils eigene Entscheidungen zur angeblichen Evakuierung treffen sollten. Hierbei traten vor allem die Bataillone aus der „nördlichen Zone“, aus der „östlichen Zone“ und aus der „südwestlichen Zone“ in Erscheinung.9 Heng Samrin, zu jener Zeit Kader der KP Kambodschas, später Präsident der von den Vietnamesen eingesetzten Regierung in Kambodscha, beschreibt dies folgendermaßen:

„There was no set period in which people were supposed to be gotten out of the city but each unit […] was to make its own decision. People were supposed to go wherever they could.“10

So kam es zu unterschiedlichen Szenarien an unterschiedlichen Orten der Stadt. In dem Bereich Phnom Penhs, welcher vom Bataillon aus dem Norden Kambodschas entvölkert wurde, wurden die Einwohner beispielsweise besonders harsch und schnell „evakuiert“. Den Bewohnern blieben zehn Minuten, ihre Sachen zu sammeln und ihre Häuser zu verlassen. Wer sich weigerte, wurde exekutiert.11 Zeitgleich unternahmen die Khmer-Rouge-Truppen aus der „Südwest-Zone“ in ihrem Vierteil ähnliche Schritte, während die aus dem Osten stammenden Kämpfer für Pol POT in dem von ihnen verwalteten Viertel vorerst keinerlei Entvölkerungsmaßnahmen ergriffen.12 Weiterhin betrieben Kämpfer aus dem Südwesten große Anstrengungen, in der Stadt gegen „Konterrevolutionäre“ und vermeintlich westliche Propaganda vorzugehen, indem in ihrem Gebiet etliche Menschen als Anhänger der alten Ordnung exekutiert und etliche Bücher verbrannt wurden, während insbesondere in den von den Kämpfern aus der „östlichen Zone“ besetzten Gebieten der Stadt derlei Aktionen gar nicht oder kaum stattfanden.13 Augenzeugen berichten in dieser Hinsicht gar von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Kombattanten aus verschiedenen Kampfzonen, die mit gegensätzlichen Vorhaben aufeinandertrafen.14 Trotz dieser absolut chaotischen Zustände war die Stadt bereits am dritten Tag fast vollständig entvölkert.15 Die ehemaligen Bewohner wiederum mussten nun in langen Treks zu Fuß den ihnen jeweils zugewiesenen Bestimmungsort erreichen, was ebenfalls ausgesprochen ungeordnet verlief. So kam es, dass einige Menschen nur wenige Tage unterwegs waren, andere wiederum bis zu 6 Wochen. 16 Die Versorgung dieser Treks, insbesondere der Alten und Kranken war ausgesprochen schlecht, etliche starben auf diesem Wege.17
Mancherorts wurde nach fähigen Arbeitern oder militärischen Spezialisten Ausschau gehalten, wodurch diese Menschen häufig von ihren Familien und Freunden fortgerissen wurden.18 An anderen Orten wiederum wurde der die Stadt verlassende Menschenstrom gezielt nach vermeintlichen „Konterrevolutionären“ durchsucht, die dann teils exekutiert wurden.19 So konnte das Schicksal eines Angehörigen der alten Armee Kambodschas je nach Khmer- Rouge-Kämpfern, auf die er traf, sowohl das Todesurteil sein, als auch das Eingliedern in ein spezielles Arbeitsumfeld, das gezielt nach derlei Menschen suchte.20 Die Wirren dieses chaotischen Vorgehens, die gezielten Erschießungen und die Strapazen der teils langen Reise führten dabei fast selbstverständlich zu einer hohen Anzahl an Toten. Ben KIERNAN beispielsweise geht davon aus, dass die Entvölkerung Phnom Penhs ca. 20 000 Menschen das Leben kostete.21
In anderen Städten, wie Kompong Son oder Battambang22 lief etwa zeitgleich eine ganz ähnliche Entwicklung ab; auch sie wurden entvölkert.23
Ebenfalls etwa zur gleichen Zeit spielten sich verschiedene weitere Ereignisse ab, jeweils angeleitet von den die Region kontrollierenden Soldaten des neuen Regimes. So wurde teilweise das Geld komplett abgeschafft, vor allem in der „nördlichen Zone“ Kambodschas, wo Soldaten der roten Khmer Geld in die Luft warfen und laut der Bevölkerung verkündeten: „The revolutionary Angkar has put an end to money!“24
Im Osten wiederum wurde von den diese Region kontrollierenden Truppen neues Geld der Khmer Rouge in den Umlauf gebracht und offenbar auch genutzt.25 Endgültig und flächendeckend wurde das Geld dann im September 1975 abgeschafft.26
Darüber hinaus wurden Märkte überall im Land, sowohl in den Städten als auch außerhalb, geschlossen, die Händler teils brutal auseinandergetrieben.27
Des Weiteren kam es auch auf dem Land bereits kurz nach dem endgültigen Sieg der Khmer Rouge zur Liquidierung jeglicher tatsächlicher oder vermeintlicher Opposition, insbesondere von Soldaten des vorangegangenen Lon-Nol-Regimes.28 Ein Interviewpartner Ben KIERNANs beispielsweise berichtet davon, dass in seinem Dorf in der Region Battambang in der Nordwest-Zone etwa 100 Dorfbewohner hingerichtet wurden.29 Ähnliches hat sich überall im Land, verstärkt aber offenbar in den wichtigen Agrarregionen der Nordwest-Zone, abgespielt.30
Es folgte Mitte des Jahres 1975 eine Zeit der Zentralisierung der Macht und der Versuch, das Land fortan zentralistisch unter der Herrschaft Pol POTs und seiner engsten Vertrauten zu regieren. Gleichzeitig wurden auch in den Provinzen regelrechte Beamte der Khmer-Rouge eingesetzt, die fortan die Verwaltung übernahmen und sich zunehmend untereinander abstimmten.31
Am 20. Mai 1975 fand hierzu erstmals in Phnom Penh ein die Herrschaft quasi endgültig konsolidierendes Treffen aller Offiziellen des neuen Regimes statt, auf dem Pol POT die Leitlinien für die kommende Zeit an seine Untergebenen herausgab, die wie folgt lauteten:

„1. Evacuate people from all towns. 2. Abolish all markets. 3. Abolish Lon Nol regime currency and withhold the revolutionary currency that had been printed. 4. Defrock all Buddhist monks and put them to work growing rice. 5. Execute all leaders of the Lon Nol regime beginning with the top leaders. 6. Establish high-level cooperatives throughout the country, with communal eating. 7. Expell the entire Vietnamese minority population. 8. Dispatch troops to the borders, particularly the Vietnamese border.“32

Die Umsetzung dieser Ziele war nun Programm für die kommende Zeit der Khmer-Rouge- Herrschaft, wie wir in den folgenden Kapiteln sehen werden.

Errichtung eines Agrarstaats und weitergehende Ziele

Nachdem mit der Entvölkerung der Städte, wie wir oben gesehen haben, quasi der absolut größte Anteil der Bevölkerung auf das Land geschickt wurde, um dort zukünftig zu arbeiten, begann das Regime mit der Umgestaltung des Landes zur Erreichung seiner Ziele.
Dazu wurde zunächst einmal auf dem Land die zu jener Zeit vorherrschende Organisation der Bauernschaft aufgelöst, teils zeitgleich mit der Entvölkerung der Städte, teils sogar schon vor dem endgültigen Sieg der Khmer Rouge in den Gebieten, die bereits unter ihrer Kontrolle lagen.
In der vorrevolutionären Zeit lebten die Menschen in Kambodscha auf dem Land häufig in „krom provas dai“ zusammen, in kleinen Gruppen bestehend aus zehn bis fünfzehn Familien, die gemeinsam ein Agrargebiet kontrollierten, welches sie gepachtet hatten, dabei aber jegliche andere Dinge privat besaßen.34 Die darauf von den Khmer Rouge gewaltsam und zwanghaft durchgeführte Kollektivierung fasste dann mehrere hundert Familien zu sogenannten „sahakar kumrit teap“ zusammen, zu kleinen Kooperativen, angelehnt an das maoistische China, mit gemeinsamer Bearbeitung eines größeren Gebietes, gemeinsamer Nutzung der Gerätschaften und Kontrolle sowie Verwaltung durch den Apparat der roten Khmer.35 Auch dieses Modell wurde aber schließlich ab 1977 abgelöst und ersetzt durch die „sahakor kumrit khpuos“, noch größere Zusammenschlüsse, bei gleichzeitig eingeführtem erzwungenen Gemeinschaftsessen in den kommunalen Küchen und der bewussten Auflösung familiärer Strukturen.36 So wurden Familienmitglieder bewusst an verschiedenen Orten auf den Feldern zur Arbeit geschickt,37 aßen an verschiedenen Orten38 und die Kinder wurden oftmals in spezielle Jugendarbeitslager geschickt, wo sie gezielt indoktriniert wurden.39
All dies diente vor allem dem erklärten Ziel der Khmer Rouge, die Reisproduktion um mindestens das dreifache zu erhöhen, um somit jeden Einwohner des Landes zu ernähren und gleichzeitig 150.000 Tonnen Reis pro Jahr zu exportieren.40 Während zuvor etwa eine Tonne Reis pro Hektar produziert wurde, sollten es nun in den meisten Regionen drei Tonnen und in den als besonders fruchtbar angesehenen Gebieten sogar bis zu sechs Tonnen werden.41 Dazu wurden etliche Bewässerungsanlagen gebaut und Dämme errichtet, um den hohen Wasserbedarf eines Reisfelds zu decken.43 Diese wurden völlig rücksichtslos durch die alten Dörfer gezogen, Menschen hierzu teils umgesiedelt und sinnvolle Modelle und Anlagen zum effektiven Ackerbau aus der Zeit vor der Khmer-Rouge-Herrschaft zerstört.42 Dies geschah unter anderem deshalb, weil es an fachlichem Wissen fehlte, bzw. dieses bewusst abgelehnt wurde, da Wissenschaft und Technik Überbleibsel der alten Ordnung seien, Wissenschaftler und Techniker unter dem Generalverdacht konterrevolutionärer Umtriebe standen und gleichzeitig aber davon ausgegangen wurde, dass die Landbevölkerung von sich aus bereits zu allem in der Lage sei.44 Der oben bereits erwähnte Khieu Samphan drückte die hiermit verbundene Doktrin wie folgt aus:

„Wer politisch denkt, wer das Regime begriffen hat, der kann alles, die Technik kommt später […] wir brauchen keine Ingenieure, um Reis anzubauen, Mais zu pflanzen oder Schweine zu züchten.“45

Hinzu kam, dass die Gesellschaft seit der Entvölkerung der Städte in zwei Klassen mit unterschiedlichen Rechten und Zugängen zu lebenswichtigen Gütern eingeteilt war. Auf der einen Seite die „neak moultanh“, die ursprüngliche Landbevölkerung, und auf der anderen Seite die „neak thmei“, die „neuen Leute“, also jene, die aus den Städten kamen und somit laut Khmer-Rouge-Ideologie vom reaktionären Einfluss der Stadt verdorben worden waren.46

All dies lässt nun den Schluss zu, die Khmer Rouge wären an keinerlei Industrialisierung interessiert gewesen, eine These, die zumindest stark angezweifelt werden muss, allein aufgrund der Tatsache, dass die roten Khmer anderslautende Erklärungen von sich gaben, wie z.B. im Jahr 1977, als ein Sprecher des Regimes in einem Interview verkündete:

„We are reorganizing the country on the basis of agriculture. With the yields of agriculture we will build an industry which will have to serve agriculture. The Khmer people have centuries of experience in planting rice, so that we must start out from rice cultivation.“47

Tatsächlich unternahm das „Demokratische Kampuchea“ auch Schritte, die in eine solche Richtung deuten und vernachlässigte die Industrie in den wenigen Jahren, die ihre Regierung nur dauerte, nicht vollständig.

So wurden beispielsweise in Phnom Penh etwa fünf Monate nach der Entvölkerung der Stadt ungefähr 70 Fabriken wieder eröffnet, die allerdings in erster Linie im Kontext Kambodschas zu jener Zeit Luxusgegenstände für Parteikader und ausländische Besucher des Landes produzierten.48 Für diesen Zweck wurden dabei nicht nur alte Fabriken wiedereröffnet, sondern auch neue errichtet.49 Zusätzlich zu dieser Luxusgüterproduktion entstanden auch einige wenige neue Schwerindustriebetriebe, größtenteils wurden aber alte Fabriken, die während des Krieges und des Bürgerkrieges zerstört worden waren, wieder in Stand gesetzt.50 Andererseits gab es auch glaubwürdig erscheinende Pläne, große Industriekomplexe, zum Beispiel an der Grenze zu Thailand in der Region um die Stadt Aranyaprathet, zu errichten. Diese Pläne wurden allerdings oftmals gar nicht oder nur zum Teil umgesetzt.51
Zuletzt sei beispielhaft noch die Gummiproduktion erwähnt, die ebenfalls einen für das „Demokratische Kampuchea“ wichtigen Sektor ausmachte.52 Traditionell wurde im Osten des Landes schon seit längerer Zeit Gummi angebaut. Ein Großteil dieser Plantagen wurde während des Indochinakrieges zerstört, aber von den roten Khmer mit viel Aufwand wieder aufgebaut, um in großer Menge Gummi für den Export zu produzieren, was auch gelang. Allerdings hatte das Gummi eine derart schlechte Qualität, dass der Absatz nur stockend verlief.53
Bei alledem ist zu bemerken, dass auch in den Fabriken der Khmer Rouge eine ähnliche Politik durchgeführt wurde, wie auf dem Lande: Nicht die Expertise war entscheidend, sondern die Loyalität zum Regime. So waren oftmals völlig ungeeignete Menschen Leiter der Betriebe, die Arbeiter häufig nicht für einen derartigen Beruf ausgebildet.54

Staatlicher Terror und Rassismus

Wie wir in vorangegangenen Kapiteln bereits teilweise sehen konnten, gehörte das absichtsvolle und systematische Ermorden von Menschen zu den Grundpfeilern der Herrschaft der roten Khmer. Dieses war Verbunden mit Folter, Deportation, willkürlichen Festnahmen und genozidärem Rassismus staatlicherseits.
Im Zentrum dieses Vorgehens stand die Anlage S-21 in Phnom Penh, heutzutage eher unter dem Namen „Tuol Sleng“ bekannt, die der gezielten Vernichtung von Menschenleben diente.55 In dieser Anlage kamen in den vier Jahren der Herrschaft der Khmer Rouge etwa 20.000 Menschen ums Leben, nur sieben Personen, die dort inhaftiert wurden, überlebten.56 Zu jeder Zeit waren zwischen 1000 und 1500 Menschen in Tuol Sleng interniert, die dort systematisch gefoltert wurden, bis sie die ihnen vorgeworfenen Verbrechen – meist Verrat am Land oder an der Revolution – gestanden und weitere angebliche Mittäter nannten, die dann ebenfalls inhaftiert wurden.57
Zusätzlich hierzu wurden überall im „Demokratischen Kampuchea“ Menschen aufgrund verschiedenster vermeintlicher Vergehen hingerichtet. So reichte es teilweise, sich wegen des allgegenwärtigen Hungers Nahrung für den privaten Verzehr aus der Natur zu entnehmen, um von den lokalen Machthabern ermordet und auf den landesweit überall zu findenden Massengräbern verscharrt zu werden.58
In nicht unerheblichem Maße kam es von staatlicher Seite aus außerdem zu massivem Vorgehen gegen Menschen begründet durch ihre Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Religionsgemeinschaft. Allgemein war jegliche Religionsausübung während der Khmer- Rouge-Zeit untersagt und als „reaktionär“ gebrandmarkt. Aufgrund dessen wurden alle Gebäude, die der Ausübung von Religion dienten, entweder zerstört, oder in Gebäude umgewandelt, die das neue Regime für seine Zwecke nutzte.59 Der Theravada-Buddhismus, welcher zuvor die vorherrschende Religion in Kambodscha war, war quantitativ betrachtet am stärksten von dieser antireligiösen Politik betroffen, hierbei insbesondere offene Vertreter der Religion, wie buddhistische Mönche und andere Amts- und Würdenträger.60 Diese wurden systematisch verfolgt, nicht selten ermordet, häufig aber auch gezwungen, zusammen mit dem Rest der Bevölkerung auf den Feldern zu arbeiten, wobei sie aufgrund ihrer vermeintlich regimefeindlichen Vergangenheit besonders schlecht behandelt wurden.61 So kam es, dass von den vor der Machtübernahme der roten Khmer in Kambodscha praktizierenden 60.000 Mönchen nur etwa 1000 das „Demokratische Kampuchea“ überlebten.62
Qualitativ noch stärker von Verfolgung betroffen war aber die alte ethnische und religiöse Minderheit der Cham, mehrheitlich sunnitische Muslime und Nachfahren des alten Königreichs Champa, die schon seit Jahrhunderten im Gebiet Kambodschas lebte. Auch sie waren in großen Maße von der antireligiösen Politik betroffen, da sie traditionell sehr fromme Anhänger der islamischen Religion waren.63 Genau wie die buddhistischen Klöster und Tempel mussten auch alle Moscheen schließen, religiöse Oberhäupter wurden ermordet, Muslimen wurde das fünfmalige Beten am Tag verboten und teilweise wurden sie gar unter Todesandrohung gezwungen, Schweinefleisch zu essen.64 Hinzu kamen auch alte in Kambodscha gegen die Cham auftretende rassistische Klischees, die durch die roten Khmer zu einem Teil der offiziellen Staatsideologie wurden, wie unter anderem diese Passage aus einem offiziellen Parteidokument der Kommunistischen Partei Kambodschas zeigt:

„All nationalities have labourers, like our Kampuchean nationality, except for Islamic Khmers [die offizielle Bezeichnung der Khmer Rouge für die Cham, Anm. d. Verf.], whose lives are not so difficult.“65

Die Verbindung aus antireligiöser und rassistischer Ideologie führte dazu, dass spätestens ab 1975 etliche Cham in die nördlichen Regionen deportiert wurden und somit an den Rand des Landes. Das Ausüben der traditionellen Cham-Kultur wurde ihnen vielerorts nahezu vollständig verboten, sie mussten sich die Haare kurz schneiden, wie es für Kambodschaner üblich war und sie durften keine traditionelle bunte Kleidung mehr tragen.67 Sogar die Benutzung ihrer Schrift wurde verboten und alle der Cham-Kultur zugehörig angesehenen Schriften vernichtet, einschließlich des Korans.66
Auch die chinesische Minderheit des Landes war enorm von rassistischer Diskriminierung betroffen. Die gegen sie gerichtete Politik war dabei sehr eng mit der Politik der Verachtung von Städten verbunden, da tatsächlich ein Großteil der chinesischen Minderheit in den kambodschanischen Städten, allen voran Phnom Penh, lebte und dort als Händler arbeitete.68 Hinzu kam allerdings noch ein sinophobes Ressentiment gegen diese Minderheit, welches man andernorts auf der Welt in ähnlicher Form antreffen kann, nämlich jenes vom wurzellosen, kosmopolitischen chinesischen Händler, der unrechtmäßig und ohne tatsächliche Arbeit zu Geld kommt.69 Verbunden mit der Verachtung gegenüber allen Marktelementen und dem generell vorherrschenden Mythos vom überlegenen Khmer-Volk entwickelte sich so auch gegen die in Kambodscha lebenden Menschen chinesischer Herkunft eine Verfolgung mit stark genozidärer Tendenz.71 Ihre Sprache und Religionsausübung wurde gänzlich verboten und es gibt bedeutende Indizien dafür, dass absichtlich systematisch verbreiteter Hunger als Vernichtungsinstrument gegen die chinesische Minderheit eingesetzt wurde.70
Die wohl am eindeutigsten offen genozidäre Politik wurde allerdings von den Khmer Rouge gegen den angeblichen alten Hauptfeind der Khmer, die Vietnamesen, durchgeführt. Bereits im September 1975 wurden alle Vietnamesen ausgebürgert und des Landes verwiesen, wer dennoch in Kambodscha blieb, war ohne jegliche Rechte noch stärkerer Willkür ausgesetzt.72 Zugleich kam es bei der Ausweisung zu gezielten, ungesühnten Massakern an der vietnamesischen Minderheit auf ihrem Weg aus dem Land heraus.73 Wer bis 1976 das Land nicht verlassen hatte, durfte dies daraufhin auch nicht mehr tun und sah sich zunächst nicht staatlich organisierten, aber auch nicht sanktionierten Übergriffen ausgesetzt.74 Am ersten April 1977 wurde dann sogar eine offizielle staatliche Direktive herausgegeben, die anordnete, alle Vietnamesen und Menschen, die in der Lage waren, Vietnamesisch zu sprechen, gefangen zu nehmen und der Staatsmacht zu übergeben.75 Es folgten Ende des Jahres vielerorts Anweisungen der örtlichen Verantwortlichen, alle Vietnamesen zu exekutieren, da sie alle Feinde des Staates seien, was in eine staatlich organisierte Jagd und Ermordung fast aller nun noch im Land verbliebenen Vietnamesen führte.76 Pol POT beschrieb diese Politik zynischerweise wie folgt:

„Firmly stir up national hatred and class hatred for the aggressive Vietnamese enemy, in order to turn this hatred into a material hatred.“77

Der antivietnamesische Hass der Khmer Rouge ging sogar so weit, dass mehrfach über einen Angriff auf das Nachbarland nachgedacht wurde, um den vietnamesischen Feind zu vernichten und die vermeintlich von ihm ausgehende Bedrohung zu beseitigen.78
Alle Minderheiten waren ferner aus der oben benannten Aufteilung der Bevölkerung in die alte Landbevölkerung und die aus den Städten kommenden Menschen herausgenommen in der Hinsicht, dass sie noch unter den ehemaligen Städtebewohnern standen und deswegen noch schlechter versorgt wurden und weniger Rechte hatten.79 Des Weiteren galten sie generell als illoyal zum Staat, weswegen ein proportional hoher Anteil an Angehörigen von Minderheiten als Oppositionelle verfolgt wurde.80
Alles in allem führte diese rassistische Politik dazu, dass etwa ein Drittel der Cham, das entspricht etwa 90.000 Personen, während der Herrschaft der Khmer Rouge um ihr Leben kamen.81 Von der chinesischen Minderheit, die vor der Revolution etwa 425.000 Personen ausgemacht hatte, überlebten nur ca. 200.000 die Khmer-Rouge-Herrschaft.82 Die vietnamesische Minderheit existierte quasi nach der Zeit des „Demokratischen Kampuchea“ gar nicht mehr, wobei unklar ist, wie viele von ihnen dabei ermordet wurden. KIERNAN spricht in seinem Werk „Blood and Soil“ von 10.000-20.00083, in einem allerdings mehrere Jahre früher verfassten Aufsatz für das „Cultural Survival Quarterly“ sogar von 100.000.84
Zuletzt sei noch erwähnt, dass diese drei Gruppen repräsentativ stehen für 21 weitere, kleinere Minderheiten, die ebenfalls brutal verfolgt wurden und die zusammen mit den oben genannten Gruppen etwa 15% der Gesamtbevölkerung zu Beginn des „Demokratischen Kampuchea“ ausmachten. Zu nennen sind hier bspw. Thailänder, Laoten und diverse indigene Stammesstrukturen. Sie alle waren von rassischer Diskriminierung und ihnen feindlich gesinnter Politik betroffen und litten auf ähnliche Weise unter der Herrschaft der roten Khmer.85

by Alexander Will

(Weiter zu Teil 4)

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Average Joe

Grundprinzip der Punkrock-Ästhetik

Stadtgespräche

Im Folgenden ein keineswegs besonderer, nicht einmal besonders guter Auszug aus der Rohfassung meiner Kurzgeschichte: „Ekel und Langeweile“.

Nach dem ökonomischen Gottesdienst, der Konsumtion zur Reproduktion meiner Arbeitskraft, lächelt mich eine korpulentere Frau mit hässlicher grüner Jacke nett an und bewegt sich einige Schritte in meine Richtung. Ich dachte wirklich, dass ich jetzt mal angesprochen werde, dies ist mir zwar bis jetzt nie wirklich passiert, aber ich hatte davon gelesen, mein Narzissmus spielt für eine Sekunde verrückt. Menschliche Regung bei einer Unbekannten, einer mir vollkommen Fremden, Leuten, von denen ich nur erwarte, dass sie die Zombies oder Bestien sind, deren Verhalten ich aus den Straßenbahnfahrten meines Lebens kennenlernen durfte. Doch dann krochen die folgenden Worte aus ihrem Mund: „Hallo, Sie sind doch auch gegen Tierquälerei“?
„Nein“, antwortete ich noch bevor ihre letzte Silbe verklungen war.
Eine Lüge, doch was haben diese Mitleidsausbeuter anderes verdient als Lügen?

Keine Liebe

Helmut Schmidt verstarb gestern. Das einzig Tragische daran, er ist es nicht vor 76 Jahren.

Fast so gut wie das Original.

Mantra eines historischen Materialisten.

Es existiert nur Materie, diese ist in ständiger Entwicklung, die durch das Umschlagen von Quantität in Qualität bestimmt ist. Der Inhalt geht der Form voraus.

Heidenau, wie es sein sollte.

Lethargie und Pseudoengagement

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.:

Ein grundlegendes Prinzip der modernen Logik besteht schließlich darin, daß zwei ausschließende Aspekte im Spätkapitalismus grundsätzlich unmittelbar zusammenfallen und also Lethargie, Apathie immer die Zwillinge des Aktivismus sind und sicher nichts was man gegeneinander ausspielen könnte. Man kann auf diese Weise alle immanenten Widersprüche gegeneinander setzen und etwa Individualität gegen das Kollektiv ausspielen, aber es gibt keine Individualität die von der Kollektivität getrennt ist. Diese ist so gut oder schlecht wie jene. Das Auseinanderfallen von Individuum und Gesellschaft, bzw. von Individualität und Kollektivität wird gesellschaftlich durch die Trennung der Produzenten von ihrem Produkt erzeugt. Die müssen die Produkte die sie hergestellt haben, zurückkaufen und dafür in Arbeitskollektiven nach äußerlichen Regeln arbeiten. Das Individuum erscheint dadurch im Kollektiv unfrei und nur als Individuum frei. Aber umgekehrt ist es als Individuum auch frei von aller Potenz und zur Ohnmacht verdammt, während man sich zusammen tun muß, um etwas zu erreichen. Daraus resultiert auch der Widerspruch von passiver, lethargischer Hinnahme aller Unverschämtheiten und Verbrechen einerseits und andererseits dem korrespondierenden Pseudoengagement gegen einige Unverschämtheiten und Verbrechen und selten die schlimmsten, wenn sich das Pseudoengagement nicht sogar gegen etwas richtet, das egal oder sogar die bessere Alternative im Schlechten ist.

- Franz Hahn

Anlässlich des 80. Geburtstag des Dalai Lama

Obendrein empfehle ich die Lektüre des „Unbuddhist“. Um selber ein paar Zeilen beizutragen, fehlt mir schlichtweg einfach die Lust.

Verstoß gegen § 90a dStGB geht immer.

Verfehlte Losung

Wer sich heutzutage in Deutschland erdreistet, die vollkommen bescheuerte Parole „Refugees are welcome here“ zu brüllen, der ist im besten Falle begriffsstutzig, im schlechtesten ein blauäugiger Luftikus ohne Realitätssinn. Meschugge ist jener, der diese Parolen in Freital oder Tröglitz angesichts der formierten Volksgemeinschaft schreit, wo doch offensichtlich ist, dass „Refugees“ nicht „welcome“ sind. Er macht sich zum Zyniker. Mehr noch, zum Gespött. Sind die Böller und Flaschenwürfe sowie das „Ausländer raus“-Geblök des rassistischen Brüllviehs nicht konkreter Gegenbeweis genug? 2015 gibt es drei Angriffe auf Flüchtlingsheime pro Woche. Wir leben in einem Land, welches in den 90igern das Asylrecht quasi abgeschafft hat (Drittstaatenregelung).1 Wen will man belügen, wenn man sagt: „Flüchtlinge sind hier willkommen“. Hier in Deutschland, in Tröglitz, in Freital, in Berlin-Hellersdorf ? Sicher nicht.

Meinen größten Respekt an diejenigen, die in diese inzestuösen Nester fuhrwerken, um auf die erdrückende, mörderische Wärme der „autochthonen“ Gemeinschaft zu spucken. Aber verarscht euch nicht selbst, wenn ihr in die Scheiße fahrt2 und den „besorgten“ Anwohnern zuschreit, dass die Flüchtlinge hier willkommen seien.

  1. Usw. usf. [zurück]
  2. (Raus aus der Scheiße, rein in die Stadt) [zurück]

17.06.2015 Ungarn will Grenzzaun gegen illegale Einwanderer errichten. (Quelle.: FAZ)

Nazis?


„Alles Heil“ von Hermann L. Gremliza aus „konkret“ Heft 5/2015.

power

We know that no one ever seizes power with the intention of relinquishing it. Power is not a means, it is an end. One does not establish a dictatorship in order to safeguard a revolution; one makes the revolution in order to establish the dictatorship. The object of persecution is persecution. The object of torture is torture. The object of power is power.

O’Brien zu Winston Smith. In 1984 von George Orwell.

Achillesferse

Halbgare Gedanken zu Organisation und Zerstörung

Bei dem „Büro für mentale Randale“ hab ich einen interessanten Flyer gefunden, der wegen des „Blockupy-Spektakel[s] in FfM 2015“ erstellt und verteilt worden sein soll, er trug den zuerst seltsam anmutenden Titel: „We, the Undead“. Die ei­detische Sprache und der vorschmetternde Gestus, der Abscheu gegen die Langeweile, verleihen dieser Flugschrift eine en­thu­si­as­mie­renden Ha­bi­tus, der durchaus mitzureißen vermag. Das Schlussapophthegma, die Losung: „Hören wir auf zu protestieren, fangen wir an zu zerstören!“ begeistert in seiner Nonkonformität, noch mehr in seiner Unversöhnlichkeit.

Ist jedoch die erste Begeisterung verflogen, dann fällt einem sehr schnell die große Schwäche dieser Flugschrift auf. Die Unis sollen veröden, die Diskotheken verlassen, die Maschinen erobert werden: jetzt sofort? Es wird die Zerstörung ohne Organisation, also ohne Aussicht auf Erfolg, zelebriert.
Diejenigen, die nicht darauf losschlagen, wird eine konterrevolutionäre Trennung von Tagespolitik und Endziel vorgeworfen. Die Drückeberger, welche Karriere und Wochenendplanung der radikalen Zerstörung vorziehen, schielen doch heimlich auf die herrschenden, gesellschaftlichen Verhältnisse und wären doch eigentlich gerne Teil von ihr. In­des gibt es gute Gründe, wieso es vollkommen sinnentleert ist, sich ohne angemessenen Organisationsgrad ins Getümmel zu werfen.

1. „Unversöhnlichkeit“ ohne Organisation endet unweigerlich in der Illegalität, somit in der Isolation.
2. bleiben die Aktionen vereinzelt und somit zum Scheitern verurteilt.

Irgendwo hat Wolfgang Pohrt sinngemäß gesagt, dass es keiner von uns mit der Revolution ernst meine. Denn wenn dies so wäre, dann wären wir längst im Gefängnis oder tot. Die Leute aufzufordern, es mit der Revolution ernst zu meinen, ist gut, die Unversöhnlichkeit zu fordern richtig. Allerdings müsse man dazu und unbedingt angemessen organisiert sein.

Die Stärke dieser Flugschrift, ihr Ungestüm, bleibt ihre Achillesferse. Der Aufbau einer, wie auch immer gearteten, handlungsfähigen (Nicht-)Partei ist ihr eins: zu langweilig.

Leonidas I.

Bei den Abendlandkämpfern ist es Brauch, in Anlehnung an den Film „300″, mehrfach hintereinander folgend „Ahu“ zu brüllen, wobei sich fast automatisch die Assoziation an ein wild gewordenes Rudel Affen aufdrängt. Doch genau diese lächerliche Rückbesinnung auf unsere biologischen Vorfahren ist der gesamte theoretische Stolz jener, die sich ironischerweise selbst als die „rechtmäßigen Erben“ der Aufklärung sehen.
So gibt Melanie Dittmer, Parteigängerin der „Identitären Bewegung“ und Spezialistin zum Thema „Hooligans gegen Salafismus“ (HoGeSa) in der Compact, auf der Dügida Demo ihr Fachwissen zu „Ahu“ zum Besten und führt aus: „Damit haben die Spartaner schon gekämpft in Griechenland in der Reconquista und haben den Islam zurückgedrängt!“. Spartaner, Perser, muslimische Araber und Berber sowie die Christen und ihre Inquisition, iberische Halbinsel und Thermopylen: ziemlich schwer, das alles auseinander zu halten. Doch dieser offensichtliche Unsinn wird vom düsseldorfer Mob zustimmend mit „Ahu, ahu ahu“ beantwortet.

Die Musik ist lange aus

Manchmal hat man noch seine Freuden im Alltag, dem Strick schon nahe, wegen einem zuviel von Grau in Grau, einer Melange aus gefühlt schon erlebten und immer gleicher Wiederholung, versucht man jeden Lichtblick, jeden kleinen Spaß, abzugreifen. Und ach, wie süß ist ein unerwarteter Zufall. Das vorbeiblitzen eines guten Freundes im Alltag, das kurze Streitgespräch mit einem fremden Gesinnungsgenossen oder der schöne Anblick einer wohlgeformten Gestalt beim Überqueren der Straße, ein gutes Lied beim Vorübergehen usw. usf

In diesen Momenten, sowie auch beim frischen Verlieben, denkt man für einen kurzen Augenblick, dass doch alles ganz ok sei. Die weit entfernte Erinnerung, dass es sich vielleicht leben lassen könnte, bahnt sich in einem kurzen Augenblick den Weg durch das Grau. Es bleibt ein Atemzug Freude, obwohl einen alsbald darauf klar wird, dass wirklich nichts in Ordnung ist.

Doch was ist eigentlich von einer Welt zu halten in der JEWGIDA durch Berlin zieht und kräftig: „Europa, Jugend, Reconquista“ zusammen mit ordinären Nazis und anderen Volksdeutschen schreit?

Für mich war diese Realsatire vor allem eins: eine unerwartete Freude.
Ein guter Witz

Die deutsche Spargelideologie

Die Deutschen sind eben nicht nur arm, sondern auch strohdumm. Wenn ihnen beim Wasserlassen der morbide Gestank ihres Post-Spargel-Urins in die Nase steigt, lächeln sie selig: »Wozu brauch’ ich Geld, ich hab’ Spargel!«

Sie spargeln und sparen und verzichten gern, vor allem auf ihren Lohn, wenn es gut für den Standort ist, also gut für Deutschland. In ihrer Schildbürger-Logik glauben sie allen Ernstes, wenn es ihnen persönlich besonders schlecht geht, und den übrigen Landsleuten, Nachbarn und Kollegen auch, dann ginge es ihnen allen als Gesamtheit besonders gut.

Das Prinzip Spargel. Von Ivo Bozic in Jungle World Nr. 17.

Memo

Memo: Michael Heinrich hat eine wunderbare Stimme. Sollte ich jemals ein Hörbuch herausgeben, dann Heinrich anfragen. Traumschwunsch, die 3 Bände vom „Kapital“.

Manifestation der Dummheit.

Ver­nehm­las­sung

Verehrter Leser_Innen,
leider müssen wir unsere Textreihe: „Ideologie und Praxis der Khmer Rouge“ unterbrechen. Wir hoffen sie zu gegebener Zeit, hoffentlich nicht galaktischen Ausmaßes, wieder aufzunehmen.
In Liebe,
Fat Man und Alexander Will

Antisemit beim Thesenschlag

Mao

Ideologie und Praxis der Khmer Rouge 2/5

Zweiter Teil über die ideologische Selbstdarstellung der roten Khmer. Eingeleitet mit einem geschichtlichen Einblick in die Entstehung kommunistischer Bewegungen in Kambodscha.

(Hier könnt ihr den ersten Teil nachlesen)

Ideologie der Khmer Rouge

Die Geschichte kommunistischer Bewegungen in Kambodscha

Im Jahr 1950 gründete sich innerhalb der Kommunistischen Partei Frankreichs eine von kambodschanischen Studenten in Paris getragene Gruppe namens „marxistischer Zirkel“, die offiziell nach außen die Khmer sprechende Sektion der KPF darstellte.1 Zu diesem Zirkel gehörte unter anderem der damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Saloth Sar bekannte Pol POT, sowie das spätere offizielle Staatsoberhaupt des „Demokratischen Kampuchea“ Khieu Samphan.2 In Kambodscha selbst hatte sich schon einige Jahre früher ein kommunistischer Untergrund entwickelt, der allerdings weit weniger intellektuell war als die Gruppe der in Frankreich Studierenden. Ausgehend von der Initiative vietnamesischer Kommunisten und der UdSSR hatte sich hier eine volkstümliche kommunistische Gruppe etabliert, deren Anführer vor allem buddhistische Mönche waren und die einen nicht unerheblichen Teil der Bauernschicht für sich mobilisieren konnten.3 1951 ging aus dieser Bewegung dann die „Revolutionäre Volkspartei der Khmer“ hervor, nachdem die „Kommunistische Partei Indochinas“ in eine laotische, vietnamesische und kambodschanische Sektion aufgeteilt worden war.4 Diese Partei blieb vorerst weiterhin vietnamfreundlich und mehr oder weniger am sowjetischen Modell ausgerichtet, während der „marxistische Zirkel“ in seiner Mehrheit sich immer stärker antivietnamesisch und zunehmend maoistisch ausrichtete.5 Insbesondere seit der Rückkehr Pol POTs nach Kambodscha im Jahre 1953 begann ein längerer Konflikt um die Ausrichtung der kommunistischen Bewegung in Kambodscha zwischen der Gruppe um Pol POT, die aus dem „marxistischen Zirkel“ hervorgegangen war und den alten, provietnamesischen Anführern der „Revolutionären Volkspartei der Khmer“.6 1962, nach dem Verschwinden und vermuteten Tod des Parteigründers Tou Samouths, gelang es der Pol-POT-Gruppe endgültig, die Auseinandersetzung für sich zu gewinnen.7 Fortan begann eine enge Zusammenarbeit der Partei mit der chinesischen KP; Pol POT selbst hielt sich zu jener Zeit mehrere Jahre in China auf.8 1966 wurden dann endgültig alle Verbindungen der Partei nach Vietnam abgebrochen, bei gleichzeitiger Umbenennung in „Kommunistische Partei Kampucheas“.9 Ferner vertrat die Partei nach außen nun einen offenbar eher vom Maoismus beeinflussten Kurs mit sehr starker Ausrichtung auf die Bauernschaft als „revolutionäres Subjekt“.10 Ein Parteidokument aus dem Jahr 1977 beschreibt dies ganz offen rückblickend folgendermaßen:

„Concretely, we did not rely on the forces of the workers. The workers were the overt vanguard, but in concrete fact they did not become the vanguard. In concrete fact there were only the peasants.“11

Ideologische Selbstdarstellung der Khmer Rouge

Zuerst lohnt es sich eine Passage aus einem Dokument aus vorrevolutionärer Zeit, genauer aus dem Jahr 1970, anzusehen, welches ein anlässlich des neunzehnten Geburtstags der KPK verfasstes strategisches Papier darstellt, das zugleich die Geschichte der Partei bis zu diesem Zeitpunkt zusammenträgt.
Dort heißt es, bereits ziemlich zu Anfang des Dokuments:

„The object of the anniversary of our party, a Marxist-Leninist party, is to guide the revolution to destroy imperialism and its lackeys, and feudalism and its rich reactionaries; to destroy the old society and to rebuild it according to the current people’s and democratic revolution. Its object is to direct the socialist-communist revolution in the future.“12

Hierin lassen sich sehr beispielhaft diverse Ideologiefragmente des klassischen MarxismusLeninismus finden, verbunden mit der Selbstbezeichnung als „Marxist-Leninist party“.13 Zum einen finden wir die Zielsetzung, die Revolution anzuleiten, wie es die Erweiterung des Marx’schen Gedankens um das Lenin’sche Element der revolutionären Kaderpartei fordert. Zum anderen finden wir das klassisch leninistische Ziel der Zerstörung des Imperialismus, abgeleitet aus den Imperialismusthesen LENINs, sowie des Feudalismus, als im marxistischen Denken angelegte Zeit vor der bürgerlichen Epoche, die durch Klassenkampf der Bourgeoisie gegen adelige Grundherren durchgesetzt wurde. Schließlich wird auch das Ziel, die sozialistische Gesellschaft mit dem Endziel des Kommunismus, genannt sowie der marxistisch-leninistische Weg des gewaltsamen Umsturzes zur Errichtung einer besseren Gesellschaft.
Ein weiteres Dokument, welches an dieser Stelle partiell dargestellt werden soll, wurde im Oktober 1976 verfasst und stellt ein strategisches Zukunftspapier für die Khmer Rouge dar. Dort heißt es unter anderem:

„The specific traits of the Socialist Revolution are the specific traits of the class struggle between the proletarian class and the capitalist class. […] However, in the present society of Kampuchea, there is still class struggle between the proletarian class and various oppressing classes, between the collective property of the proletarian class and private property of various other classes. That is why we increasingly strike various other oppressing classes and strike private property.“14

Hier erkennt man die klassisch marxistische bzw. marxistisch-leninistische Doktrin des Klassenkampfs zwischen der Kapitalistenklasse und dem Proletariat, der mit dem Sieg des Proletariats die klassenlose Gesellschaft erringen soll. Hinzu kommt nun aber noch ein eher maoistisches Ideologiefragment – nämlich, wenn angesprochen wird, dass auch nach erfolgreicher sozialistischer Revolution, die ja zum Zeitpunkt des Verfassens bereits eingetreten war, der Krieg der Klassen weitergeführt werden muss, da auch noch in der sozialistischen Gesellschaft verschiedene unterdrückende Klassen existieren würden. Dies kommt der Idee der „großen proletarischen Kulturrevolution“ und den ihr zu Grunde liegenden Annahmen sehr nahe. Dies wird an späterer Stelle noch etwas deutlicher:

„If we only strike the capitalist class, we will not be the masters. For we will not only regard that which is of the capitalist and we will not be wary. […] In the world, that which is revisionist comes from striking only capitalism; […] That which is not capitalist is not seen and not hit. But, as for private property, which is aberrantly created in the party, in the armed force and in the people, if we cannot see it, we do not fight it. Therefore, the private property increases and strengthens. […] That is why we are fighting private property. This fight must be fought without ceasing. And we are fighting it over a long time. Private property cannot be destroyed immediately. It needs a tough and relentless fight continuously.“15

Dabei ist auch interessant, dass hier von dem „Revisionistischen“ gesprochen wird, das dadurch entstehe, dass ausschließlich die Kapitalistenklasse bekämpft wird. Hiermit benutzen sie genau den Begriff, den auch die Maoisten seit dem XX. Parteitag der KPdSU gegen das sowjettreue Lager richten, um sich von ihm abzugrenzen, als einzig richtige Strömung des Marxismus-Leninismus, die nicht „revisionistisch entartet“ ist.
Tatsächlich kommt im Verlauf des Dokuments etwas zur Sprache, was annähernd deckungsgleich mit der offiziellen Begründung für das Ausrufen der Kulturrevolution in China ist, nämlich das Entstehen einer neuen Unterdrückerklasse aus den Reihen der Partei und des Staatsapparates:

„However, we must not forget that besides the worker-peasents, there are the revolutionary ranks. These revolutionary ranks are a strata, too. It is a power-holding layer. We must not forget it; it will be hidden. Then, it will expand and strengthen as a seperate strate, considering itself as worker-peasant; in fact, it holds power over the worker-peasant. […] We do not want them to expand and strengthen themselves to hold power outside of the worker-peasents. Someday they will oppose the worker-peasents.16

Zuletzt soll hier noch eine transkribierte Rede betrachtet werden, die Pol POT 1977 öffentlich gehalten hat. Auch diese enthält an vielen Stellen Anlehnungen an den klassischen Marxismus-Leninismus, dabei insbesondere an LENINs Imperialismusthesen. Beispielhaft hierfür steht unter anderem folgende Passage, in der Pol POT die vorrevolutionäre Zeit beschreibt:

„Kampuchea at that time was a satellite of imperialism, in particular, U.S. imperialism. This meant that Kampuchea was neither independent nor free. Kampuchea was a semi-colony, in a situation of dependency on imperialism in general and, in particular, on American imperialism.“17

Hierin wird von Kambodscha als „Halbkolonie“ gesprochen, was einen typischen Begriff Leninistischer Imperialismus-Analysen darstellt, ebenso wie die Aussage, dass das Land sich in Abhängigkeit von einer imperialistischen Nation, in diesem Fall der US-amerikanischen, befindet.
Auch sehr maoistisch anmutende Aussagen sind zu finden, wie die folgende:

„Therefore, the peasents were the overwhelming majority of the population. They were exploited by all classes. They were exploited by the capitalists and the landlords. […] It had to be priority to resolve this principal contradiction in order to mobilize the forces of the peasantry, who were the greatest force.“18

Diese Passage beinhaltet sehr eindeutig die taktische Fixierung der Maoisten auf die Bauernschaft und die damit verbundene agrarische Ausrichtung maoistischer Parteien. Ebenfalls sehr maoistisch erscheint folgender Teil der Rede:

„We consider these to be contradictions among the people, which can be resolved by education, study, criticism and self-critisism, and periodic self-examination of our own revolutionary lifestyle, under the supervision and with the aid of the collecitve; all this, under the leadership of the Party. […] Similarly, within the new Kampuchean society, there are life-and-death contradictions owning to the presence of enemy agents, […] who secretly implant themselves to carry out subversive activities against our revolution. […] We do not consider these traitors, these counterrevolutionary elements, to be part of the people. […] Contradictions with these elements must be solved by the measures proper for enemies […].“19

Zum einen beinhaltet dieser Abschnitt den für den Maoismus sehr typischen Begriff der „Kritik und Selbstkritik“, wie er insbesondere für Maos China ungemein prägend war. Zum anderen ähnelt die Unterscheidung zwischen dem Volk auf der einen Seite, welches durch Erziehung, „Kritik und Selbstkritik“ und Bildung unter Führung der Partei auf den richtigen Weg gebracht werden kann und muss, und den „Verrätern“ auf der anderen Seite, die nur wie Feinde behandelt werden können und kein Teil des Volkes sind, stark Maos „Lehre von den Widersprüchen im Volk“.
Nun wäre es aber zu kurz gefasst, diese Rede nur als Ausdruck von marxistisch-leninistischer, bzw. maoistischer Ideologie anzusehen, da sie auch etliche stark nationalistische Aussagen enthält, die auch den patriotischen Rahmen, den der Leninismus und der Maoismus „unterdrückten Völkern“ lässt, sprengen. So zum Beispiel in folgendem Teil der Rede:

„In the past, our people were forced to live the lowly existence of slaves. Our country was plundered and oppressed by foreign reactionaries, feudalists, colonialists and imperialists. We lost much of our territory. Our present borders are the distressing result of successive waves of foreign aggressions, expansions and annexations.“20

Im Prinzip wird in dieser Passage behauptet, dass es in erster Linie, wenn nicht gar ausschließlich „Fremde“ waren, die das Land ausplünderten. Auch Feudalgesellschaft und reaktionäres Gedankengut scheinen für Pol POT ausschließlich aus dem Ausland gekommen zu sein, als seien alle autochthonen Khmer immer nur nicht-ausbeuterische Bauern gewesen. Gleichzeitig wird der Mythos von den großen Khmer, die nur durch fremde Mächte untergegangen seien, verbreitet und dabei die teils auch selbst herbeigeführte Instabilität alter Hochkulturen ignoriert. Ähnliche Passagen finden sich nun an mannigfaltigen Stellen der Rede. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn das am Ende der Rede zusammengefasste Ziel der Khmer Rouge in den Augen Pol POTs nur noch sehr wenig nach Sozialismus oder gar Kommunismus klingt, sondern eher nach der Errichtung eines selbstbezogenen Nationalstaats, wie man ihn eher aus faschistischen oder nationalsozialistischen Regimes kennt, vermischt mit Anleihen aus LENINs Imperialismusthesen. Zu diesem Ziel heißt es nämlich:

„Our Party and our people firmly believe that their efforts to carry out the revolution in our country well, to defend and build the country, and to rapidly raise the standard of living of our people, while upholding the principles of independence, initiative and self-reliance, are a small contribution to the revolutionary movements of the world’s people in the struggle for national liberation for those people whose countries are under oppression, and to the struggle to defend independence, sovereignty and territorial integrity of all nations, especially the nonaligned and third world countries.“21

by Alexander Will

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Eike Geisel erneut Aufgelegt. (Quelle.: edition tiamat)

Ideologie und Praxis der Khmer Rouge 1/5

Einleitung

Angesichts der Verbrechen der Khmer Rouge, denen innerhalb von nur 4 Jahren wahrscheinlich ca. 1,7-1,9 Millionen Menschen zum Opfer fielen,1 wurden und werden in der Forschung, aber auch im Populärdiskurs vielfach die roten Khmer als besonders grausames Beispiel für genozidäre Politik benannt, wobei immer wieder auf ihre Gedankenwelt und die daraus abgeleiteten Taten rekurriert wird. Teilweise finden sich dabei aber vereinfachte Denkmuster wieder, in denen die Khmer Rouge schlicht als konsequente Fortführung kommunistischen Gedankenguts benannt werden, ohne zuvor eine tiefergehende Analyse der Ideologie der Khmer Rouge und ihrer Taten vorgenommen zu haben.
In dieser Arbeit soll daher der Frage nachgegangen werden, inwiefern Ideologie und Praxis der Khmer Rouge übereinstimmen und in welchen Punkten sie sich womöglich unterscheiden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf marxistisch-leninistischer bzw. maoistischer Theorie und deren Einwirken auf Ideologie und Praxis der roten Khmer.
Es wird sich hier nur auf bestimmte Aspekte und Zeitabschnitte der Herrschaft der Khmer Rouge bezogen, da eine allumfassende Analyse im Rahmen einer solchen Arbeit nicht geleistet werden kann. Ferner ist oftmals für die Beantwortung einer solchen, vergleichenden Frage die – im vorgegebenen Rahmen dennoch möglichst ausführlich vorgenommene – Betrachtung einzelner Aspekte meist zuträglicher als eine Betrachtungsweise, die den Anspruch hat, möglichst alle Aspekte in die Analyse einzubeziehen, dabei aber die einzelnen Aspekte nur allzu überblicksartig und oberflächlich einbezieht.
Zu diesem Zweck wird hier, im ersten Beitrag, zuerst eine Einführung in marxistisch-leninistische und maoistische Ideologie gegeben, um eine Grundlage für eine weiterführende Analyse zu schaffen.
Hierauf folgt ein zweiter Post mit einem geschichtlichen Einblick in die Entstehung kommunistischer Bewegungen in Kambodscha, um den Kontext der Herausbildung der spezifischen Ideologie der Khmer Rouge besser zu verstehen.
Des weiteren erfolgt eine möglichst ausführliche Betrachtung der ideologischen Selbstdarstellung der roten Khmer anhand einiger Originalquellen. Hiermit soll versucht werden, die Ideologie der Khmer Rouge in dem hier möglichen Rahmen zu erfassen.
Es folgt ein Beitrag mit Einblick in die Zeit des „Demokratischen Kampuchea“, also in den von den roten Khmer geschaffenen Staat, mittels dreier Aspekte. Zu Beginn wird die Anfangszeit der Khmer-Rouge-Herrschaft beschrieben, darauf die Errichtung des Agrarstaats und die weiterführenden Ziele und schließlich das massenhafte Morden und die genozidäre Politik. Die Außenpolitik und weitere Aspekte können leider in diesem Rahmen nicht in die Analyse einbezogen werden. Dennoch sollte dies genügen, um die Praxis der roten Khmer in einem für diese Arbeit ausreichenden Maß zu erfassen.
Der Vorletzte Post widmet sich einer kurzen Betrachtungen von verschiedenen, teils sich widersprechenden Forschermeinungen zum Aspekt der Ideologie und Praxis der Khmer Rouge und ihrem Vergleich. Damit sollen noch explizite Meinungen zur oben genannten Fragestellungen gesammelt werden, um einer möglichst tiefgehenden Analyse nahe zu kommen.
Schließlich folgt im letzten Post noch eine Zusammenfassung und Auswertung des hier Zusammengetragenen, verbunden mit dem Versuch, die bearbeitete Fragestellung zu beantworten.

Die weiteren vier Teile werden im Abstand von einer Woche veröffentlicht.


Begriffliche Einführung

Marxismus-Leninismus

Der Marxismus-Leninismus sieht sich selbst als die konsequente und richtige Erweiterung des Marx’schen Denkens, wenngleich er einige signifikante Erweiterungen einführt und in einigen Punkten gar von Marx abweicht.
Für den Marxismus-Leninismus gilt zu erst einmal die klassisch marxistische Annahme der Zusammensetzung der Gesellschaft in verschiedene, einander antagonistisch gegenüberstehende Klassen, deren Kampf gegeneinander den geschichtlichen Fortschritt darstelle3, anknüpfend vor allem an das „Manifest der kommunistischen Partei“, verfasst von Karl MARX und Friedrich ENGELS, in dem es unter anderem heißt:

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“4

In der modernen kapitalistischen Gesellschaft habe sich die Anzahl auf zwei Klassen reduziert, die herrschende Klasse der Bourgeoisie, welche Besitzer von Produktionsmitteln, also Fabriken, Maschinen etc. ist, und die Klasse der Proletarier, welche ohne Eigentum in die Warenproduktion eintreten und ihre Arbeitskraft an die Bourgeoisie verkaufen müssen, welche diese nutzt, um aus Wert Mehrwert zu schaffen.5 Während nun MARX selbst insbesondere in seinem Frühwerk davon ausging, dass die Proletarier als Klasse dazu bestimmt seien, im Klassenkampf die Menschheit hin zu einer klassen- und eigentumslosen Gesellschaft zu führen und dass jene Klasse aufgrund ihrer gesellschaftlichen Disposition aus sich selbst heraus ein Bewusstsein hin zum Kommunismus entwickeln könne,6 weicht der Leninismus von dieser Linie ab.7 LENIN nahm seinerseits an, dass das Proletariat aus sich selbst heraus lediglich ein Bewusstsein für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne entwickeln könne, weswegen es einer revolutionären kommunistischen Partei bedürfe, die aus der Arbeiterklasse „an sich“ eine „Klasse für sich“ macht und somit der Klasse des Proletariats kommunistisches Bewusstsein lehrt und sie hin zur Revolution führt.8 Er schrieb dazu:

„Die Geschichte aller Länder zeugt davon, dass die Arbeiterklasse aus eigenen Kräften nur ein tradeunionistisches Bewusstsein hervorzubringen vermag […]. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, ausgearbeitet wurden“ .9

Und an späterer Stelle im gleichen Werk:

„Das politische Klassenbewußtsein kann dem Arbeiter nur von außen gebracht werden, das heißt aus einem Bereich außerhalb des ökonomischen Kampfes, außerhalb der Sphäre der Beziehungen zwischen Arbeitern und Unternehmern.“10

Dies ist für LENIN und den Leninismus verbunden mit der Vorstellung, mithilfe der Partei die Macht im Staat zu erringen und über die Herrschaft dieser kommunistischen Partei die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, unter Einbezug der Vertreter des Proletariats.11 Dies soll so lange geschehen, bis weltweit derartige sozialistische Staaten errichtet wurden, wodurch der Staat an sich überflüssig und die klassen- und eigentumslose Gesellschaft, der Kommunismus, zu seiner Vollendung geführt werde.12 Dabei steht insbesondere das Industrieproletariat und die damit verbundene Errichtung eines modernen Industriestaats im Zentrum des dem Leninismus vorschwebenden Staatsaufbaus.13 Eine letzte, hier zu nennende wichtige Quelle des Marxismus-Leninismus ist die Imperialismustheorie LENINs. Dort stellt LENIN die These auf, dass sich der Kapitalismus im Laufe der Zeit gewandelt habe – weg vom „Kapitalismus der freien Konkurrenz“ hin zum monopolistischen Kapitalismus, zum Imperialismus. LENIN schreibt hierzu:

„Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.“ 14

Hieraus leitet sich für den Marxismus-Leninismus die Tatsache ab, dass die Welt aufgeteilt ist in „imperialistische Staaten“, welche Kolonien und Halbkolonien errichten oder zumindest die Märkte anderer Länder dominierend für sich nutzen, und „unterdrückte Nationen“, die von den imperialistischen Staaten ausgebeutet werden.15 Somit gesellt sich für den Marxismus- Leninismus ein neues revolutionäres Subjekt zur Arbeiterklasse hinzu: die „unterdrückten Völker“.16 So ist auf globaler Ebene für den Marxismus-Leninismus die Unterstützung antikolonialer und antiimperialistischer Bewegungen von besonderer Bedeutung, weswegen leninistische Gruppen häufig Nationalbewegungen insbesondere in der dritten Welt unterstützten, die sich gegen die großen europäischen und nordamerikanischen Nationen richteten.17
Dies ist aber für LENIN und den klassischen Leninismus nichtsdestotrotz mit einer Absage an allzu chauvinistischen oder gar rassistischen Nationalismus verbunden, an dessen Stelle ein proletarischer Internationalismus treten soll, also die Idee einer weltumspannenden Bewegung der arbeitenden Klasse.18

Maoismus

Als eine besondere Spielart des Marxismus-Leninismus tritt der Maoismus auf, der von sich selbst behauptet, den Leninismus an die speziellen Bedingungen Chinas angepasst zu haben.19 Er sieht sich ferner, insbesondere seit dem XX. Parteitag der KPdSU 1956, auf welchem Stalin und seine Lehren offiziell verworfen wurden, in der Tradition MARX‘, ENGELS‘, LENINs, Stalins und damit gleichzeitig als Fortführung der einzig wirklich kommunistischen Lehre des Marxismus-Leninismus, während das nach-stalin’sche Modell der Sowjetunion als „revisionistisch entartet“ abgelehnt wird.20 Der Maoismus erweitert bzw. verändert die Lehren LENINs daher noch um ein paar weitere Dinge, die hier nun aufgezeigt werden sollen
. Ein erstes, ausgesprochen wichtiges Ideologiefragment des Maoismus ist die „Lehre von den Widersprüchen im Volke“, die aus dem Marxismus-Leninismus maoistischer Prägung nun endgültig ein extrem dichotomes Weltbild werden lässt.21 Diese besagt, dass es zu jedem Gegenstand immer ein ihm antagonistisch gegenüberstehendes Gegenstück gibt, was auch in der Gesellschaft auftritt.22 Während nun im Volk derlei Widersprüche durch Diskussion und „Kritik und Selbstkritik“ gelöst werden können, gibt es seiner Ansicht nach auch „den Feind“, der mit Diskussion nicht besiegt werden kann, sondern lediglich vernichtet.23 Wer „der Feind“ ist, ist für Maoisten je nach historischer Situation unterschiedlich. Sie gehen aber, anknüpfend an Josef Stalin, von einer Verschärfung des Klassenkampfs auch nach der erfolgreichen sozialistischen Revolution aus, was bedeutet, dass auch nach der Eroberung der Staatsmacht durch die kommunistische Partei noch ein großes Potential an Feinden des Kommunismus bestehe, die in neuen, permanent wiederkehrenden revolutionären Akten ausgelöscht werden müssen.24 Um diesen Feinden beizukommen, entwickelte Mao die Idee der „großen proletarischen Kulturrevolution“. Diese diene dazu, in sozialistischen Staaten die neu entstandenen Klassen, die sich gegen die sozialistische Ordnung stellen, unter Mobilisierung der Volksmassen zu beseitigen.25 Im China Maos betraf dies offiziell ökonomisch höher gestellte Kader der Partei, bzw. „Bürokraten“, jedoch konnte faktisch jeder in den Wirren der Kulturrevolution Opfer des allgemein umsichgreifenden Chaos werden.26
Ein weiterer Aspekt des Maoismus ist ein starker Antiintellektualismus. So betont Mao, dass das Lesen zu vieler Bücher den Charakter verderbe und Dogmatiker produziere, während körperliche Arbeit hingegen gute, tüchtige Menschen hervorbringe, die im Sinne der Revolution denken.27 Damit verbunden betont der Maoismus, dass insbesondere Arbeiter und Bauern ohne große Bildung dennoch alles begreifen und schaffen können, sofern sie nur vom richtigen, vom revolutionären, Motiv geleitet werden.28
Das letzte hier erwähnte Element schließlich ist die Theorie des „Volkskriegs“. Diese betrachtet die Mehrheit einer Nation als „Volk“, ausgebeutet von einer kleinen Minderheit. Angewendet auf die vom Imperialismus vermeintlich unterdrückten Nationen, auf die der Maoismus sich an dieser Stelle vor allem bezieht, bedeutet dies, dass Angehörige einer städtischen Imperialistenklasse einer großen Masse des „Volks“ gegenüberstünden, welche sich vor allem aus armen Bauern außerhalb der Städte und einer kleinen Klasse aus städtischen Arbeitern zusammensetze.29 Hieraus leitet der Maoismus die Idee einer agrarischen Revolution ab, in welcher die Bauern das revolutionäre Subjekt hin zum Kommunismus darstellen sollen. Zuerst sollen in diesem „Volkskrieg“ die Bauern von der Sache der Revolution überzeugt werden, um dann die Städte vom Land aus zu „umkreisen“.30

by Alexander Will

(Weiter zu Teil 2)

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Neuland

Arbeit und Revolution

Schließlich erhalten wir noch folgende Resultate aus der entwickelten Geschichtsauffassung: […] 3. daß in allen bisherigen Revolutionen die Art der Tätigkeit stets unangetastet blieb und es sich nur um eine andre Distribution dieser Tätigkeit, um eine neue Verteilung der Arbeit an andre Personen handelte, während die kommunistische Revolution sich gegen die bisherige Art der Tätigkeit richtet, die Arbeit beseitigt1 und die Herrschaft aller Klassen mit den Klassen selbst aufhebt, weil sie durch die Klasse bewirkt wird, die in der Gesellschaft für keine Klasse mehr gilt, nicht als Klasse anerkannt wird, schon der Ausdruck der Auflösung aller Klassen, Nationalitäten etc. innerhalb der jetzigen Gesellschaft ist; und 4. daß sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann; daß also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden.2

Karl Marx
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Fat YOLO

Ein paar wirre Gedanken zu Mode, Kritik und Sprücheklopfer

Wer will heutzutage schon so sein wie alle? Aber keiner möchte der Außenseiter sein und wenn schon Außenseiter, dann aber bitte mit Stil und Ästhetik . Es ist wahrscheinlich diese paradoxe Ausgangssituation, weswegen es in Mode gekommen ist, die angebliche „Avantgarde“ der Mode – die Hipster, Emos, Scene-Kids und wie sie alle heißen – als das eigentliche Mainstream auszumachen. Es kommt daher nicht selten vor, dass ein Seintenscheiteltragender, Hornbebrillter junger Mann laut über die „Hipster“ lästert. Man bekommt nicht wenig Lust aufzustehen und zu entgegnen: „Soso, Freund Blase, ich hätte dich für einen gehalten!“, wenn man nicht selbst eine dieser Post-Hitlerjugend-Frisuren tragen würde. So ist das modische Subjekt hin und her gerissen zwischen Mainstream und Avantgarde. Sichtlich verwirrt und gestresst von den Anforderungen der Peergroup . Ähnlich wie in der Mode ist es in der Theoriearbeit. „Mit Schirm, Charme und ein wenig Photoshop wird die Generation #YOLO für eine Minute Berichterstattung in der Tagesschau mobilisiert.“ wirft die ADAB „…umsGanze!“ in einem Jungle World-Datenbankartikel über Blockupy dieses Jahres vor. Doch wer mit Überschriften wie: „#stickthefingertogermany“ und „Angela Merkel gefällt das“ seine ganz eigene Generation YOLO für nicht mal eine Minute Tagesschau in die Pampa (Torgau) herbeizitiert, verliert bei seiner Polemik an Glaubwürdigkeit. Es ist gar zu heuchlerisch, könnte man meinen. Du darfst keine flotten Sprüche reißen, bei mir ist das was anderes. YOLO

looking at shoes

Erkenntnis des Tages: Diese Antideutschen haben schöne Schuhe

„Pegida houdt van je pielenmuis“

Das Ende jüdischen Lebens im Jemen – Teil 3/3

Dritter Teil über die antisemitischen Ausschreitungen im Jemen.

(Hier könnt ihr den ersten und den zweiten Teil nachlesen)

Im Jemen waren judenfeindliche Ausschreitungen in der Zeit des britischen Protektorats keine besonders seltenen Ereignisse. Von 1872 bis 1932 fanden kollektive Gewaltausbrüche gegen die jemenitischen Juden in der südlichen Hafenstadt Aden statt. Mehrere tausend Muslime gingen damals auf die Straßen und wahllos auf Jüdinnen und Juden los. Die Briten waren kaum in der Lage die Massen zu bändigen und gaben dem Mob ein Gefühl von Überlegenheit. Alle vier Ausschreitungen haben gemeinsam, dass den Juden vorgeworfen wurde in irgendeiner Weise die religiösen Gefühle der Muslime verletzt zu haben, sei es durch Prophetenbeleidigung, Entweihung oder Respektlosigkeit einem Muslim gegenüber. Dass es zu diesen Gewaltausbrüchen kam, hat jedoch nichts mit einem modernen Antisemitismus zu tun. Bis Ende der 1930er Jahre waren weder die Geschehnisse in Palästina, noch ein nationalistisches Bewusstsein zu den jemenitischen Arabern durchgedrungen. Die vier Ausschreitungen sprechen viel mehr für innergesellschaftliche Probleme. Die häufig banalen Gründe, die dann teilweise mordende Banden auf die Straßen brachten, zeigen doch, dass es ein gewaltiges Bedürfnis nach Triebabfuhr gab. Die Juden waren die einzige ḏimmī-Minderheit im Protektorat, weshalb sie auch der erste Adressat von gesellschaftlichem Unmut waren. Sie wurden auch nicht als allmächtige Gefahr wahrgenommen – an ihnen wurde viel mehr von Zeit zu Zeit die Überlegenheit des Islam demonstriert.

Eine wirklich existenzielle Bedrohung kam für die jemenitischen Juden erst mit den Ausschreitungen von 1947. Am 30. November schlugen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas vor, woraufhin Proteste in der gesamten arabischen Welt stattfanden. Am 2. Dezember 1947 proklamierten die Araber in Aden einen dreitägigen Solidaritätsstreik, um gegen die UN-Resolution und die britische Politik zu protestieren. Der Demonstrationszug, der nicht nur aus streikenden Männern, sondern auch Frauen und Kindern bestand, trug ein Banner mit der Aufschrift „Lang lebe Palästina“. Als er die jüdischen Viertel Adens erreichte, in denen insgesamt etwa 8,550 Juden lebten, wurde aus dem Streik ein vernichtendes Pogrom. Der Generalstreik brach in eine Welle der Gewalt aus, die 82 Juden das Leben kostete. Beinahe ihre gesamte ökonomische Infrastruktur wurde zunichte gemacht. Erst nach drei Tagen war die Lage einigermaßen unter Kontrolle, bedeutete jedoch die Evakuierung hunderter Juden in die Flüchtlingscamps außerhalb der Stadt und letztendlich ihre organisierte Ausreise nach Israel.

Für die Orientalisten Ahroni und Parfitt gab es unterschiedliche Gründe für die Entwicklung hin zu den Ausschreitungen. Zuallererst wäre da die Sensibilisierung für den jüdisch-arabischen Konflikt in Palästina. Ab 1938 kamen regelmäßig Delegationen palästinensischer Abgesandter des Großmuftis von Jerusalem zu Propagandazwecken nach Aden. Auch in Mekka waren Delegationen aus Palästina und Syrien vor Ort und überhäuften pilgernde Muslime mit ihrer antisemitischen Propaganda. Mit der Wende in die 1940er Jahre war der Zugang zu arabischen Medien weit fortgeschritten. In öffentlichen Räumen hatte nun jeder Zugang zu ausländischen Zeitungen und konnte sich durch das Radio weitestgehend politisieren: „Radio waves precipitated an increase in political awareness and prepared the ground for the anti-Jewish massacre of November 1947 […].”1 . Als weitere Quelle der Unruhen kann der wachsende Unmut gegenüber den zahlreichen jüdischen Flüchtlingen aus dem Norden des Jemen betrachtet werden, die vor den sich verschärfenden Bedingungen unter dem Imam Yahya flohen. Einerseits befürchteten die Muslime, die Massen von Flüchtlingen könnten Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt sein, andererseits stellten sie sich vor, diese würden nach Palästina gehen, um gegen Araber zu kämpfen. Aber auch der Umstand, dass sie nicht mehr von der Gunst ihrer arabischen Schutzherren abhängig waren, stellte wohl eine narzisstische Kränkung für die Muslime dar. Die einzige Gruppe, der sie seit Generationen überlegen waren, war nun im Begriff auszuwandern. Die Kränkung bestätigt sich auch bei der Betrachtung der Äußerungen arabischer Intellektueller und lokaler Zeitungen. Die Zeitung Ṣaut al-Yaman, hat die Juden selbst für das Geschehene verantwortlich gemacht: „Those who favour the disturbances say that the Jews have become proud and.raised [sic!] their noses up to the sky and have belittled the Arabs and Muslims. They deserve what has happened to them. They favoured the Jews in Palestine, they mocked us and threw bottles at us2. In diesem Ausschnitt wird deutlich, dass die Vorstellungen über Verhalten und Handeln der Juden paranoische Züge annahm, ihnen die böswillige Absicht unterstellt wurde, Arabern in Palästina und anderswo Schlechtes antun zu wollen. Die Ethnologin Renate Meissner stellt mittels Zeugenaussagen die Vermutung auf, muslimische Führer hätten zum Massenmord an den Juden aufgerufen, weil diese mit der Besiedlung Palästinas ihren Status als Schutzbefohlene ablegten und schließlich für vogelfrei gelten mussten.

Damit steht außer Zweifel, dass die Ausschreitungen von 1947 die Züge des modernen Antisemitismus tragen. Die gesellschaftlichen Probleme im Jemen, die letztendlich dem Judentum im Land ein Ende bereiteten, mündeten kurze Zeit später in die breite Ablehnung der britischen Herrschaft und damit zur Unabhängigkeit. Die antisemitischen Ausschreitungen bestärkten die Araber in ihrem souveränen Handeln und schufen damit überhaupt die Bedingungen für eine nationale Bewegung. Der Antisemitismus lässt sich somit als einender Faktor und Indikator des jemenitischen Nationalismus festhalten. Das Gleiche gilt auch für den palästinensischen und andere arabische Nationalismen. Ohne den einenden Kampf gegen den gemeinsamen Feind, wäre kein derart starkes Gemeinschaftsgefühl erwachsen. Nationale Bewegungen im arabischen Raum sollten nicht vom Antisemitismus getrennt betrachtet werden. Die Entwicklungen im Jemen verdeutlichen auch, dass der Antisemitismus besonders dort offen in Erscheinung tritt, wo gesellschaftspolitische Probleme und wachsende Rationalisierungsprozesse aufeinander treffen. Die Veränderungen in der arabischen Welt waren grundsätzlich vom Antisemitismus begleitet. Es darf auch, vor Allem im Bezug auf den Israel-Palästina Konflikt, nicht vergessen werden, welch verworrene Dynamik der Antisemitismus besitzt. Nur so kann ein vollendetes Verständnis der heutigen Ereignisse im arabischen Raum erlangt werden.

  1. Ahroni, Reuben: The Jews of the British Crown Colony of Aden – History, Culture, and Ethnic Relations. E.J. Brill, Leiden (Netherlands) 1994, S. 210. [zurück]
  2. Parfitt, Tudor: The Road to Redemption – The Jews of the Yemen 1900-1950. E.J. Brill, Leiden (Netherlands) 1996, S. 169. [zurück]

Literatur:
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Thesen zu Marx‘ und Engels‘ Beurteilung der Frühsozialisten

Thesen zu Marx‘ und Engels‘ Beurteilung der Frühsozialisten: Babeuf, Saint-Simon, Fourier, Owen, Cabet.

1. Alle untersuchten Frühsozialisten werden von Marx und Engels als Vorgänger gewürdigt. So gelten Saint-Simon, Fourier und Owen als die theoretischen „Patriarchen des Sozialismus“ und Babeuf als praktischer Vorgänger des modernen Proletariats. Cabet wird von ihnen als kommunistisches Positiv gegenüber den bürgerlichen Sozialisten hervorgehoben.

2. Es gibt zwei Hauptkritikpunkte von Engels und Marx an den Frühsozialisten:

a. Den Messianismus, der aus einem fehlenden Geschichtsbegriff resultiert.
b. Den objektiven Umstand dieser Theorien. Als Grund für das theoretische Scheitern von Saint-Simon, Fourier und Owen sowie das praktische Scheitern Babeufs gilt ihnen das niedrige Niveau der Produktivkraftentwicklung und die damit einhergehende fehlende Konsolidierung des Proletariats.

3. Die Kategorisierung als „kritisch-utopische Sozialisten“ ist rein positivistisch gesehen falsch, dies trifft bei den untersuchten Sozialisten allein auf Cabet zu. Nur in der historisch-materialistischen Denkweise, welche neben Hegel maßgeblich von Saint-Simon inspiriert sein dürfte, hat diese Kategorisierung einen Sinn.

4. Alle erdachten Systeme der Frühsozialisten gelten Marx und Engels in letzter Konsequenz als reaktionär.

06.04.2015. Kenya bombs Somalia al-Shabab bases after Garissa attack.

Das Ende jüdischen Lebens im Jemen – Teil 2/3

Zweiter Teil über die Hintergründe des islamischen Antisemitismus.
(Hier könnt ihr den ersten Teil nachlesen)

Die Juden des Jemen waren also ein wichtiger Bestandteil der jemenitischen Gesellschaft. Von ihnen hing gewissermaßen die wirtschaftliche Stabilität des Landes ab. Um den gesellschaftlichen Wandel nachvollziehen zu können, der letztendlich jüdisches Leben im Jemen unmöglich machte, muss man verstehen, wie der moderne Antisemitismus in die Gesellschaften der islamischen Welt gelangen konnte.

Die Judenfeindschaft, die den frühen Islam kennzeichnete, war kein rassistisch motivierter Hass auf eine religiöse Gruppe, sondern eine Feindschaft, die „von Verachtung und herablassender Duldung“1 gekennzeichnet war. Das erste bekannte Auftreten des von Gerüchten über die Juden gespeisten Ressentiments war 1840 in Syrien, während der sogenannten „Damaskusaffäre“2. Dort wurde die aus dem christlichen Mittelalter stammende Ritualmordlegende mit Hilfe von französischen Beamten neu entfacht, als ein christlicher Mönch in Damaskus verschwand. Die Beschuldigung, Damaszener Juden hätten den Mönch für rituelle Zwecke ermordet, zog eine Welle von antisemitischen Maßnahmen nach sich und „die Ritualmordlegende und das Bild vom Juden als bösartiger unsichtbarer Bedrohung wurde nun auch in islamischen Vorstellungswelten erstmals kolportiert“3 . Mit der Übersetzung der rassistischen und antisemitischen Schmähschrift Karl Eugen Dührings, „Der Talmud-Jude“, erstmals 1894 in arabischer Schrift erschienen, fand die Mär über die jüdische Weltverschwörung, noch vor dem ersten Zionistenkongress, seinen Zugang zur arabischen Welt. Mit dem drohenden Zerfall des osmanischen Reichs und der phasenweisen jüdischen Besiedlung von Teilen Palästinas, bildete sich zunehmend eine arabische nationale Identität, die sich vor Allem aus europäischen Einflüssen und Ideen speiste. Die jüdischen und arabischen Interessen, die zum Beginn der britischen Mandatszeit zunehmend kollidierten, wurden durch die Politik der Briten zu einem offenen Konflikt verschärft, insbesondere durch ihre widersprüchlichen Versprechungen und Erklärungen, was eine nationale Heimstätte anbelangte. Der damalige britische Kolonialminister Winston Churchill erhielt 1921 eine Beschwerde vom damaligen Bürgermeister Jerusalems, Musa al-Husainī, in der von einer jüdischen Weltverschwörung schwadroniert wurde. Dessen Cousin, Muḥammad Amīn al-Ḥusainī, ebenfalls ein bekennender und aktiver Judenhasser, ernannten die Briten noch im selben Jahr zum Großmufti von Jerusalem, was ihn „zum einflussreichsten Araber Palästinas machte“4 . Die häufig gern verschwiegenen Pogrome von 1929, in denen über hundert Juden in Hebron, Jerusalem, Jaffa und anderswo auf grausamste Weise hingeschlachtet wurden, trugen die ideologische Handschrift der antisemitischen Politik und Hetze Amīn al-Ḥusainīs. Der neue Großmufti wurde daraufhin zu einem der wichtigsten „Träger der Propagandaoffensive“5 der Nationalsozialisten. Schon 1933 versuchten die Nazis die ägyptische Bevölkerung gegen die Juden anzustacheln und verhalfen der islamistischen Muslimbruderschaft zu großem Erfolg und Einfluss. Ein weiterer, wichtiger Punkt war die Verbreitung antisemitischer Propaganda – von dem Pamphlet Die Protokolle der Weisen von Zion, welches 1927 erstmals in arabischer Schrift erschien, bis zu Hitlers Mein Kampf. Von 1939 bis 1945, ab 1941 unter der Leitung von al-Ḥusainī, übertrug ein deutscher Rundfunksender antisemitische Hetze in arabischer Sprache in die gesamte islamische Welt. Hätten die europäischen Mächte, allen voran die Deutschen während der NS-Zeit, nicht so viel Einfluss genommen, hätte die Judenverfolgung im arabischen Raum kaum diese Dimensionen annehmen können.

Dass sich der Antisemitismus so heftig und plötzlich auf die seit Generationen in der islamischen Welt lebenden Juden entlud, erweckt den Eindruck, es hätte eine reine Abfuhr von aufgestautem Hass stattgefunden. Die Pogrome und Massaker waren häufig von solch brutaler Gewalt begleitet, dass die Verklärung der Aufstände als eine Reaktion auf die jüdische Besiedlung Palästinas, wie ein verharmlosender Revisionismus daher kommt. Um diese gesellschaftlichen Probleme wirksam zu ergründen, braucht es eine tiefgreifende Analyse der psychischen Beschaffenheit der antisemitisch aufgeheizten Massen. Dies soll mit Hilfe einer psychoanalytischen Untersuchung von Natascha Wilting in: Die Lust an der Unlust oder warum der Islam so attraktiv ist. geschehen. Die Verallgemeinerungen und plakativen Analysen der Autorin über die muslimische Familie sollen hier nicht einfach wiedergegeben werden, ohne darauf hinzuweisen, dass diese auch gerne im Kommentarfeld diskutiert werden können.

Die seit der Industrialisierung expandierenden Produktivkräfte setzten auch die islamische Welt unter einen „innergesellschaftlichen Modernisierungsdruck“ 6, der sich besonders im zum Westen in Konkurrenz stehenden osmanischen Reich bemerkbar machte. In weiten Teilen der islamischen Welt destabilisierte sich die traditionelle Gesellschaftsstruktur, „[d]ie Schranken, welche die Ordnung zwischen Mehrheit und Minderheiten fixierten, weichten auf und schufen Abgrenzungsbedürfnisse, die sich teils in aus Europa inspirierten Formen artikulierten.“7 . Der antisemitische Charakter trat als erstes dort hervor, wo Juden nicht mehr die Rolle der ḏimmī inne hatten, sondern als selbstbewusste, ebenbürtige Menschen auftraten und den ohnehin schon an der verlorenen Weltmachtstellung gekränkten Narzissmus der Muslime verschärften. In einer patriarchalen Gesellschaft, wie die der islamischen, nimmt der Mann eine übergeordnete Rolle ein, die ihm schon von klein auf eingeprägt wird. Der muslimische Mann8 entwickelt schon im Kindesalter eine starke Ich-Bezogenheit und „erlebt […] die Welt als eine, die bloß der Befriedigung seiner Triebe zu dienen scheint.“9 . Diese erlebte innere Welt ist die einzige, die er an sich heran lässt und alles was dieses Weltbild zu zerstören droht, das Fremde der Außenwelt, dient ihm als Feindbild. Innerhalb der Familie erlebt der junge Mann seine Überlegenheit gegenüber den weiblichen Familienmitgliedern und sieht sein Weltbild darin bestätigt. Die frühe teilweise Verfügung über die Mutter hinterlässt in ihm ein ödipales Begehren. Doch eines Tages, durch die Erfahrung der wirklichen Verfügung des Vaters über die Mutter, imaginiert der Junge eine „Kastrationsdrohung“ 10, die im Falle der Muslime mit der Beschneidung auch partiell durchgeführt wird, und wird vom Vater auf Androhung von Strafe dazu genötigt, sein „inzestuöses Begehren […] in andere Bahnen [zu – d. Verf.] lenken“ 11. Von da an zählt nichts weiter, als die Beherrschung der Triebe, die Aufrechterhaltung des verhärteten Weltbildes, begleitet von einer „regressiven Zuflucht in den Narzißmus“ 12 und die Projektion der verborgenen Wünsche auf die „Welt der Ungläubigen“13 . Konkret bedeutet das, dass das Fremde als generelle Bedrohung wahrgenommen wird, die im Falle kolonialer Erfahrungen und der Konfrontation mit dem selbstbewussten Auftreten der europäischen Juden, für viele Muslime eine reale, bzw. vermeintliche existentielle war. „Da sie die westliche Welt, konkretisiert in den Juden, nicht verdrängen können wie die eigenen Triebansprüche, […] können sie sie nicht ignorieren“14 . Der unausweichliche Konflikt formt die Betroffenen zu einem „psychopathologischen Kollektiv“15 , dessen durch Triebunterdrückung aufgestauter Frust sich im Pogrom und Massaker an den Juden entlädt. Die vom Großmufti und anderen Apologeten gepredigte antisemitische Ideologie erhält dadurch ihren Eingang in das Bewusstsein der Muslime und fügt dem Kollektiv seine spezifisch paranoische Dynamik hinzu – alle realen oder vermeintlichen Juden, egal ob europäischer oder arabischer Herkunft, werden zur Rasse stigmatisiert und müssen vernichtet werden.

Auch wenn die bisherigen Erklärungen für den islamischen Antisemitismus die Entwicklung im Nahen Osten nachvollziehbar machen, vermögen sie nicht zu erklären, warum gerade die Gruppen, die sich die Vernichtung Israels und der Juden auf die Fahnen geschrieben haben, ihre antisemitischen Taten mittels Koran und Hadithen zu legitimieren wissen. Die Berufung auf die Grundschriften des Islam erscheint dazu auch noch fundamental für die eigene Ausrichtung zu sein. Es wäre daher grundfalsch davon auszugehen, der islamische Antisemitismus ist ein reines Exportprodukt aus Europa. Die Existenz antisemitischer Botschaften im Koran und in den Hadithen ist nicht zu leugnen, bedarf daher auch keiner expliziten Nennung. Matthias Küntzel bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Im islamischen Antisemitismus, und dies unterscheidet ihn von allen anderen Formen der Judenfeindschaft, wird der religiöse Antijudaismus des Frühislam mit dem europäischen Antisemitismus der Moderne kombiniert.“16 . Juden zu erschlagen und jüdisches Eigentum zu plündern war für viele das „althergebrachte Recht“ 17, das Muslime „seit unvordenklichen Zeiten“ 18 als Herren über die Juden definierte. Es kann daher festgehalten werden, dass bevor die Muslime überhaupt erst den europäischen modernen Antisemitismus in sich aufnahmen, ihre heutigen Taten schon durch Koran und Hadithe legitimiert waren. Das Zusammentreffen von westlicher Moderne und traditioneller islamischer Ordnung schuf letztendlich auch die Konvergenz von ǧihād und Judenhass, die Geburtsstunde des uns heute bekannten Islamismus.

  1. Küntzel, Matthias: Islamischer Antisemitismus. Dezember 2003. Online verfügbar unter: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/islamischer-antisemitismus – Aktualisierungsdatum: 15.03.2015 [zurück]
  2. Dormal, Michel: Terror und Politik – Eine politische Analyse des Islamismus aus Sicht einer Kritischen Theorie von Antisemitismus und Herrschaft. LIT Verlag, Berlin, Münster 2009, S. 108, vgl. Tarach, Tilman: Der ewige Sündenbock – Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt. Edition Telog, 4. Auflage, Freiburg im Breisgau, Zürich 2011, S. 21. [zurück]
  3. Dormal 2009 S. 108. [zurück]
  4. Tarach 2011, S. 29. [zurück]
  5. Küntzel, Matthias: Über die Europäischen Wurzeln des Antisemitismus im gegenwärtigen islamischen Denken. November 2004. Online verfügbar unter: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/ueber-die-europaeischen-wurzeln-des-antisemitismus-im-gegenwaertigen-islamischen-denken – Aktualisierungsdatum: 12.03.2015. [zurück]
  6. Dormal 2009, S. 108. [zurück]
  7. Ebd. S. 108. [zurück]
  8. Wilting bedient sich dieser Verallgemeinerung zur Darstellung einer repräsentativen Masse. [zurück]
  9. Wilting, Natascha: Die Lust an der Unlust oder warum der Islam so attraktiv ist. In: Göllner, Renate/Radonic, Ljiljana: Mit Freud: Gesellschaftskritik und Psychoanalyse. ça ira-Verlag, Freiburg 2007, S. 165. [zurück]
  10. Wilting 2007, S. 155. [zurück]
  11. Die Konfrontation mit dem anderen Geschlecht löst im Jungen die Angst aus, die Abwesenheit eines Penis bei Frauen und Mädchen sei die Folge von Kastration durch den Vater und würde auch ihm wiederfahren (Vgl. Freud, Sigmund: Infantile Genitalorganisation, in: Gesammelte Werke, Bd. XIII. S. Fischer Verlag, 5. Auflage, Frankfurt am Main 1967, S. 291-298.). [zurück]
  12. Wilting 2007, S. 156. [zurück]
  13. Scheit, Gerhard: Suicide Attack: Zur Kritik der politischen Gewalt. ça ira-Verlag, Freiburg 2004, S. 239. [zurück]
  14. Wilting 2007, S. 165. [zurück]
  15. Ebd. S. 166. [zurück]
  16. Küntzel, Matthias: „Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“ – „Islamischer Antisemitismus“ – Ursprünge und Entwicklungen in der islamischen Welt und in Europa. Berlin, 17.09.2008. Online verfügbar unter: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/radio-zeesen-bruder-mahmoud-und-schwester-evelyn – Aktualisierungsdatum: 12.03.2015. [zurück]
  17. Tarach 2011, S. 21. [zurück]
  18. Ebd. [zurück]

Literatur:
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Frühstückspause

1

  1. Entnommen aus: distractify. 50 Photos Of Actors Behind The Scenes That Will Change How You See Their Movies Forever. [zurück]

03/04.04.2015. Erneut rassistische Angriffe in MV. (Quelle.: NDR)

04.04.2015. In Tröglitz brennt das Flüchtlingsheim, die Behörden gehen von Brandstiftung aus. (Quelle: Tagesspiegel)

03.04.2015. Netanyahu: Iran must recognize Israel’s right to exist in deal. (Quelle. CNN)

Fat Mans klugerednerische Wenigzeiler #1

Hobbykreuzigungen

Ich wollte nur Nachrichten schauen – CNN – und plötzlich schlagen mir Bilder von verrückten Christen entgegen, die Kreuzigungen nachspielen. Was für eine Farce.

Unser Wort zum Karfreitag

03.04.2015. Houthi rebels and their allies in Yemen have stormed the presidential palace in Aden. (Quelle.: BBC)

Support the women’s rights campaign in Afghanistan

A joint call by Silli Ghaffar and Mina Ahadi for a more pro-active campaign in Afghanistan’s women’s rights campaign

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02.04.2015. An attack by Islamists stormed a university in eastern Kenya has left at least 147 people dead. (Quelle.: sky news)

01.04.2015. Einheiten der IS haben große Teile des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk bei Damaskus eingenommen. (Quelle.: Die Welt)

Postmoderne

Das Ende jüdischen Lebens im Jemen – Teil 1/3

Der moderne Antisemitismus ist seit Mitte des zwanzigsten Jahrhundert ein untrennbarer Bestandteil der islamischen Welt. Anhand der Entwicklung im Jemen lässt sich die Übernahme der antisemitischen Ideologie aus dem Westen verdeutlichen. Der vorliegende Text soll die Hintergründe dieser Übernahme untersuchen. Erster Teil über die Lage im Jemen Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Der zweite Teil ist über die Hintergründe des islamischen Antisemitismus, der dritte Teil untersucht die antisemitischen Ausschreitungen im Jemen. Die beiden weiteren Teile werden im Abstand von einer Woche veröffentlicht.

Der Jemen hat eine lange Geschichte von Fremdherrschaft, die bis weit in die Neuzeit hinein reicht. Im Jahr 1839 wurde die Stadt Aden und das südöstliche Gebiet des Jemen von den Briten besetzt und das britische Protektorat Aden gegründet. Wenige Jahre später, 1872, begann die Zurückeroberung des nördlichen Jemens und der Stadt Sanaa durch das osmanische Reich. Der Jemen teilte sich schon zu dieser Zeit in einen nördlichen und einen südlichen Teil, mit seinen jeweiligen Autoritäten. Im Norden wurde die osmanische Besatzung weitestgehend von der jemenitischen Bevölkerung abgelehnt und bis zur formalen Unabhängigkeit des nördlichen Jemens 1918 immer wieder versucht sie aus dem Jemen zu vertreiben. Dort herrschten die Zaydī, eine alte schiitische Herrscherdynastie, deren oberster Führer der Imam war. Das im Süden gelegene britische Protektorat Aden bestand aus der Hafenstadt Aden und vielen Kleinstaaten, die von Sultanen und Scheichs angeführt wurden, die auf vertraglicher Basis mit den Briten in Beziehung standen. Sie waren meist Šāfi‘ī, eine sunnitische Sekte, die als Opposition zum schiitischen Regime der Zaydī auftrat. Die Briten pflegten eine freundschaftliche Beziehung zu den Stammesführern und eine Politik des Nicht-Einmischens, was ihnen ihre weitestgehende Unterstützung zusicherte.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Jemen ein stark unterentwickeltes und verarmtes Land, das teilweise noch unter feudalen Bedingungen wirtschaftete, größtenteils in landwirtschaftlichem Zusammenhang. In den 1920ern wandelte sich die jemenitische Gesellschaft zunehmend durch die Integration neuer Technologien und der Alltag wurde mehr und mehr nach westlichem Vorbild gestaltet. Auch die jemenitischen Juden, zumindest die aus den größeren Städten, waren an den Modernisierungsprozessen beteiligt und wohl kaum die zurückgebliebenen Juden aus biblischen Zeiten, als die sie öfters dargestellt wurden und werden.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann man die Zahl der im Jemen lebenden Juden auf etwa 40 bis 50 Tausend schätzen. Die Qualität jüdischen Lebens war in erster Linie von den politischen Machthabern abhängig. Die besonderen Regelungen und Bestimmungen der ḏimma, welche Juden und andere religiöse Gruppen zu Schutzbefohlenen machte, galten insbesondere für die im nördlichen, zayditisch regierten Jemen lebenden Juden. Ihnen wurden neben der üblichen Kopfsteuer (ǧizya) auch andere diskriminierende Vorschriften auferlegt, wie das Tragen gesonderter Kleidung, dem Verbot Waffen zu tragen, oder die Zwangskonversion von Waisen. Die im Süden lebenden Juden hatten eine weit bessere Lebensqualität, als die Juden, die unter der Herrschaft des zayditischen Imams lebten. Im Süden hatten die lokalen Stammesherren den Schutzauftrag und je nach Belieben der Herren mussten die Juden häufig weniger bis gar keine ǧizya bezahlen. Der Schutzauftrag der Stammesherren war eine ernst genommene Aufgabe. Wer einen Juden ermordete, konnte für die Ehrverletzung selbst hingerichtet werden. Es lässt sich sagen, dass jüdisches Leben, im Rahmen ihrer generellen Inferiorität, relativ sicher war. Dies war auch größtenteils der britischen Besatzung zu verdanken, welche die ḏimma, mittels gleicher Rechte vor dem Gesetz, teilweise überflüssig machten. Die Juden hatten im jemenitischen Alltag eine große Bedeutung und führten wichtige Handels- und Handwerksarbeiten aus, dominierten diese sogar teilweise. Sie waren auch als Staatsdiener, politische und rechtliche Berater, Mediziner und Heiler tätig. Der Orientalist Reuben Ahroni beschreibt die jüdisch-muslimische Koexistenz folgendermaßen: „All in all, the relations between Jews and Muslims in southern Arabia were relatively congenial, even symbiotic.1. Dieser Beschreibung sollte jedoch mit Vorsicht begegnet werden, da Juden als keine vollwertigen Mitglieder der Gemeinschaft galten und keine eigenen Rechte besaßen. Ihr Wohlergehen hing grundlegend mit ihrer Unterlegenheit den Muslimen gegenüber zusammen und von der Willkür ihrer muslimischen Herren ab.

Literatur:
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31.03.2015. Basij commander Mohammad Reza Naqdi threatens Saudis and proclaims that the destroying of Israel is ‚non negotiable‘. (Quelle.: Times of Israel)

Interviews mit Stephan Grigat über die Atomverhandlungen mit dem iranischen Regime

30. März 2015 auf HR 1

24.November.2014 auf Nordwestradio

30.03.2015 Deniz Yücel verlässt die „taz“. (Quelle.: taz)

nutshell

Gangster-Rap in a nutshell: „Ich liebe Männer aber ich ficke Frauen“

29.03.2015. Vladimir Putin has said Russia will fight for an independent Palestinian state (Quelle.: The Times of India)

Das automatische Subjekt

Das automatische Subjekt macht die Menschen einerseits zu Objekten seiner Verwertungsbewegung, zu Dingen, zu Waren, die auf dem Arbeitsmarkt gehandelt werden – und die sich dieser vermittelten Form der subjektlos en Herrschaft wie einem menschengemachten Naturgesetz mit einem unterschwelligen Gefühl von Ohnmacht anzupassen haben. Zugleich besteht die einzige Chance, noch eine schale Imitation von Subjektivität auszuleben, darin, dass man als ökonomische Charaktermaske (Marx) daran mitwirkt, diesen Automatismus uferloser Kapitalverwertung „subjektiv“ zu perfektionieren, – und hierbei wiederum „die Anderen“ zu Objekten degradiert und „den Dingen gleichmacht“. Innerhalb des nur zu realen Fetischismus, den das automatische Subjekt perpetuiert, sind die Insassen der kapitalistischen Tretmühle immer beides zugleich: Subjekt der Akkumulation und deren ohnmächtiges Objekt. Alle Insassen der globalen kapitalistischen Tretmühle fungieren als Subjekt-Objekte der verselbstständigten Verwertungsbewegung, die sie selber perpetuieren, wobei das konkrete Verhältnis zwischen diesen beiden Polen von der konkreten hierarchischen Stellung im Reproduktionsprozess des Kapitals abhängt.

– Tomasz Konicz. Generation Sarrazin -Eine kurze Skizze der Genese der neuen deutschen Rechten.

März. 2015. Neue RSL Publikation über „die vergessenen Opfer: sowjetische Kriegsgefangene“ (Quelle.: Standpunkte)

Über die Roma-Vertreibung im ungarischen Miskolc. (Quelle.: Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Kniffcons Traumtagebuch #3

Am Samstagmorgen wachte ich mit einem grausamen Kater auf und konnte mich nicht mehr an das „Antilopenkonzert“ erinnern. Wofür hatte ich das Geld ausgegeben und wo bin ich überhaupt? Ich stand auf, wankte ein wenig durch die Wohnung und versuchte, mich zu erinnern. Wie hat alles angefangen? Ich erinnerte mich daran, dass niemand außer mir mit auf das Konzert wollte und so musste ich eine alte Freundin fragen, mit der ich mich vor einigen Jahren zerstritten hatte und die niemals Antilopen hören würde, ob sie mitkommen würde. Komischerweise sagte sie zu. Von den angekündigten 500 Besuchern erschienen nur 20, was mich sehr irritierte. Als ich am Einlass stand und meine Karten suchte, fiel mir auf, dass ich nicht einmal ein Portemonnaie mit hatte und ich brach unter Tränen zusammen. Meine Begleitung stand neben mir und sah verdutzt an mir herunter. Als ich meinen Kopf in Richtung Ausgang wand, sah ich mein rotes Lederportemonnaie auf dem Gehweg liegen. Ich musste es wohl verloren haben. Wir gaben unsere Karten ab und traten in den kleinen Club ein. In einem Raum stand eine Tafel wie beim letzten Abendmahl, uns wurde gesagt, wir sollten uns hinsetzten. Sie würden sich verspäten, da Koljah Geldprobleme hätte. Mir wurde der Zusammenhang nur wenig klar. Ich ging noch einmal raus, um die Toilette aufzusuchen. Als ich den Raum wieder betrat, war der Tisch verschwunden. Stattdessen stand dort ein Auto mit Danger Dan am Steuer. Ich setzte mich neben ihn. Er gab Gas und wir führen direkt durch die Wand, was komischerweise niemanden beunruhigte. Ich starrte ihn die ganze Zeit an und er grinste zurück, aus dem Radio ertönte „Au Revoir“ und Danger Dan sang laut mit. In seiner Version klang der Song sogar gut. Wir fuhren durch Berlin und hielten an einem Abhang an, der mich stark an den Grand Canyon erinnerte, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Das schien mir unangebracht. Wir stiegen aus und drehten ein Musikvideo zu dem Song Gabeln von FTR3. Nach diesem Ausflug brachte uns Danger Dan wieder zurück zum Lido. Eine blonde Frau stieg ein und wir fuhren zur neuen Location, wo das Konzert stattfinden sollte. Es war ein kleiner Raum ausgestattet mit Schreibtischstühlen, die meinem alle sehr ähnlich sahen. Meine Begleiterin war verschwunden, stattdessen waren nun einige meiner Freunde bei mir, was mich freute. Sie fingen an zu spielen und wir setzen uns hin. Die blonde Frau fing an herumzuschreien und Koljah zu motivieren zu spielen. Nach 20 Minuten hörte Danger Dan plötzlich auf, da er das Bedürfnis hatte, eine große blaue Zigarette zu rauchen, ich fühlte mich direkt angesprochen und fuhr schnell nach Hause, um eine zu holen. Der Weg nach Rostock kam mir erstaunlich kurz vor. Als ich in meinem Garten ankam, sah ich eine dicke Katze in meinem Garten herum springen, es war M’s 1Katze. Ich erkannte es an ihrem Körperfettanteil. M. kam um die Ecke und sagte, ich könne sie behalten, wenn ich ihre Vögel umbringe und ihr nur noch mein Futter geben würde. Das schien mir eine gewinnbringende Investition zu sein und ich tötete noch schnell ihre Vögel, bevor ich die Zigarette für Danger Dan aus dem Gewächshaus holte und wieder nach Berlin fuhr. Dort angekommen gab ich sie ihm und sie machten weiter. Nach diesem Track kam auf einmal ein alter Freund von mir auf die Bühne und fing an zu strippen. Das war mir zu viel und ich ging raus, wo meine Katze schon auf mich wartete. Sie hing an der Decke über der Eingangstür und hüpfte auf meine Schulter, als ich raus ging. Ich streichelte sie und wir gingen gemeinsam durch Berlin.

  1. M. ist ein guter Freund [zurück]

Filmkritik des Monats

Ich hab mir gerade „Fifty Shades of Grey“ angesehen und entschieden, dass dieser Film keinen Satz wert ist.

Besorgte Bürger und das Lynchen

23.03.2015. Israeli PM Netanyahu apologizes to Israeli Arabs for statements during the campaign. (Quelle.: The Israel Project)

Griechenland und die Schulden

Selbstbildnis #2

25.03.2015. Erste LGBT-Demo in Tunesien. (Quelle.: Von Tunis nach Teheran Blog)

26.03.2015. Eine Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens hat Stützpunkte der schiitischen Houthi-Kämpfer im Jemen bombardiert. (Quelle.: Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Give this man a Putin

Ein passenderes Symboltier als der Bär wäre für Wladimir Putin daher ein Chamäleon, aus dessen schillerndem Spektrum der Betrachter sich seine Lieblingsfarbe aussucht. Da vergisst der Nazi den Opa in Stalingrad und huldigt einem ehemaligen KGB-Agenten, während Linke übersehen müssen, dass die soziale Ungleichheit in Russland größer ist als in jedem westlichen Land und Putin in aller Öffentlichkeit mit rechtsextremen Gewalttätern wie den »Nachtwölfen« fraternisiert.

Den Rechten präsentiert Putin sich als starker Mann, der sich von niemandem etwas bieten lässt, für die Linken gibt er den vom Imperialismus Bedrohten, der in Notwehr handelt.1 Er identifiziert sich mit dem mittelalterlichen Herrscher Wladimir I., der das Christentum zur Staatsreligion machte, beruft sich aber auch auf das Erbe der atheistischen Sowjetunion. Die Schaffung von peitschenschwingenden Kosakeneinheiten und das Posieren mit Raubtieren bedienen die Liebe zum Archaischen. Für die intellektuellen Sympathisanten beruft sich unterdessen Putins Hofphilosoph Alexander Dugin auf die Postmoderne, die er gegen das »widernatürliche System« in Stellung bringen will.

Putins postmoderne Autokratie verbreitet Erzählungen, das geneigte Publikum bringt aber auch selbst entsprechend den eigenen Bedürfnissen neue hervor. Bei aller Vielfalt gibt es jedoch einen gemeinsamen Nenner, die Abscheu vor dem »widernatürlichen System«. Der Antiamerikanismus vereint rechte und linke Unterstützer Russlands, und er ist mehr denn je eine Chiffre mit einem allenfalls lockeren Bezug zur realen Innen- und Außenpolitik der USA.

Jörn Schulz. Im Bann des Chamäleons.

  1. Hervorhebung F.M. [zurück]

Skandal-Terroristen?

Der „Islamische Staat“: keine Mörder, Islam-Faschisten, Barbaren und Schlimmeres, sondern Rüpel? Sprich, so schlimm wie Bushido, der „Rüpel-Rapper“?


Guter Text der jd/jl mainz über die „Neger Gmbh“-Logo Farce (Quelle)

Oh, Schulle

Wenn ’ne Dose Schulle Flügel hätte, das wäre optimal, denn dann flöge sie zu mir, ohne das ich sie bezahl. – Little Boy

Adorno Styl

Um die Ideen Mao Tse-tungs wirklich zu meistern, muß man viele der grundlegenden Ansichten des Vorsitzenden Mao Tse-tung immer wieder studieren; am besten ist es, einige seiner Sentenzen auswendig zu lernen, sie wiederholt zu studieren und wiederholt anzuwenden. Die Zeitungen müssen öfters Zitate aus den Werken des Vorsitzenden Mao Tse-tung in Verbindung mit der Praxis abdrucken, damit die Leser sie studieren und anwenden können.

– Lin Biao. In Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung

Ich hab die Minima Moralia gelesen, wie die Mao Bibel.

- Fat Man

RIP NMZS

Kollektivschuld

„Nicht Hitler, Göring, Goebbels und Himmler – und wie die alle hießen – haben mich verschleppt und geschlagen. Nein! Es war der Schuster, der Nachbar, der Greisler, der Milchmann, der Postmann, der eine Uniform bekommen hat, eine Binde und eine Haube auf den Kopf, und dann waren sie die ‹Herrenrasse›“

– Karel Stojka (Auschwitz-Überlebender)

Old but gold

Varoufakis

Neuer Post von cosmoproletarian-solidarity (Quelle)

Lesenswerter Nachruf auf Ivana Hoffmann (Quelle.: mariasfirst)

Kniffcons Traumtagebuch #2

Ich wohnte im Studentenwohnheim mit Fat Man und einem anderen Mädchen zusammen. Paul G*1 wohnte am Ende des Flurs. Es gab strenge Regeln und Zimmerdurchsuchungen. Unsere Drogen versteckten wir unter dem Teppich. Wir mochten unsere Mitbewohnerin nicht und töteten sie. Um nicht aufzufallen, ließen wir sie im Kaminschacht hinunter, welcher im Keller endete. Dort lagen schon andere Leichen, die alle zu Zombies wurden. Sie stellten keine Gefahr da, weil sie nicht aus dem Keller kamen.

    1. Name von der Redaktion geändert. Es handelt sich um einen guten Freund. [zurück]

13.03.2015. Der „Islamische Staat“ hat den Treueschwur der nigerianischen Gruppe Boko Haram akzeptiert.

(Quelle.: Zeit-Online)

Sommernachtsträume

Memo von Fat Man

In den Wirren „der Revolution“ werden Joko und Klaas erschossen. Dies ist wahr, denn „[d]ie Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist“1.

  1. Wladimir Iljitsch Lenin. Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus [zurück]

Eilmeldung an alle irischen Genossen

Heute, am 11.05, ist es wegen einer Gesetzeslücke in Irland legal, Drogen wie Ketamin, Crystal Meth und MDMA zu besitzen. Diese Gesetzeslücke wird höchstwahrscheinlich binnen 24 Stunden behoben. Ausgenommen von diesem Freibrief sind Heroin, Kokain und Cannabis. Im Gegensatz zu dem Gesundheitsminister Leo Varadkar, der zur Besonnenheit appelliert, ruft Fat Man zum ungehemmten Drogenkonsum auf. Liebe Genossen, lasst es krachen!

Nachtrag zum Frauentag

Ideologie der Plünderungsökonomie

Insbesondere (aber nicht nur) innerhalb islamisch geprägter Staaten hat die modernisierte Interpretation der Religion den mit der nachholenden Modernisierung gescheiterten Nationalismus abgelöst.1 Dementsprechend verändert sich auch der Bezugsrahmen. National gebundene Krisenideologien wie PEGIDA verbleiben im Bezugsrahmen der Nation. Hier geht es zunehmend um die wahnhafte Idee, Deutschland zu retten. Der islamistische Religionismus hingegen hat einen viel unspezifischeren und zugleich universellen Charakter. Das wird dadurch möglich, das er auf zwei relevante Charakteristika des Nationalismus verzichtet. Gerade weil in den Ländern, in denen der militante Islamismus reüssiert, die kapitalistische Warenproduktion in einer schweren Krise ist, haben diese religionistischen Regimes dann auch eher den Status von Plünderungsökonomien.2 Das gilt etwa für die von dem IS beherrschten Teile von Syrien und dem Irak, in denen sich das Überleben der Menschen im Wesentlichen den Renteneinnahmen aus Ölexporten verdankt. Da der Religionismus so auf die kohärente nationalstaatliche Warenproduktion verzichten kann, ist auf der anderen Seite auch die Beschränkung des Herrschaftsbereichs auf regionale Teilgebiete überflüssig. Das Fernziel der narzisstischen Erhöhung kann so die Unterwerfung der Welt unter die Allgemeinheit des vorausgesetzten (göttlichen) Gesetzes sein. Und auch wenn das ein islamistischer Wunschtraum bleibt, so kann er doch als Albtraum des Terrors durchaus global werden.

Julian Bierwirth. Irrationalismus und Verschwörungswahn – Zur Verwandtschaft von Islamismus und antimuslimischem Ressentiment.

  1. Vgl. Karl-Heinz Lewed: Finale des Universalismus, in Krisis 32, http://www.krisis.org/2008/finale-des-universalismus [zurück]
  2. Zur Logik der Plünderungsökonomie vgl. Robert Kurz: Weltordnungskrieg. Bad Honnef 2003, S. 48ff. [zurück]

Kniffcons Traumtagebuch #1

In unregelmäßigen Abständen werden wir einige Traumtagebuchnotizen, sowie jene die folgt, aber auch ausformulierte Traumtagebucheinträge unserer verehrten Mrs. Kniffcon veröffentlichen. Die Plappermäuler und Küchentischpsychoanalytiker dürfen jetzt gerne ihre Wälzer aufschlagen und die freudsche Traumdeutung rezitieren. Also viel Spaß beim Erlesen des manifesten Trauminhalts und den Vielrednern, beim Ermitteln des Traumgedankens.

Traumnotiz 06.03.2014.
Ich hatte ein großes schwarzes Haus mit 4 Stockwerken, in dem ich allein wohnte. Ich tötete dort viele meiner Freunde, was mir aber selbst nicht bewusst war. Für mich lebten sie noch. Ich sammelte ihre Leichen unter meinem Dach und überkippte sie mit Waschmittel. Als die Polizei mein Haus durchsuchte, fanden sie diese, da Blut durch die Decke tropfte. Ich kam in die Psychiatrie, weil ich als unzurechnungsfähig galt. Ich hörte dort viele Hörbücher und ließ mir meine Haare lang wachsen und färbte sie mir schwarz.

Selbstbildnis